Politik : Neues Schulfach: Die Unternehmer wollen, dass "Wirtschaft" unterrichtet wird

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat erneut gefordert, an allen Schulen ab der 5. Klasse Wirtschaft als eigenständiges Fach zu unterrichten. Die Kultusminister müssten sich endlich dafür einsetzen, sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) am Mittwoch in Berlin einen Tag vor Beginn der Kultusministerkonferenz in Bremen. Dieses Gremium könne so beweisen, dass es kein "Bermuda-Dreieck" sei, in dem "in endlosen Gremienberatungen alles auf Nimmerwiedersehen verschwindet". Hundt zufolge muss ökonomische Bildung im 21. Jahrhundert selbstverständlicher Teil der Allgemeinbildung sein. Die Einführung eines eigenen Fachs "Wirtschaft" sei für den Wirtschaftsstandort von zentraler Bedeutung.

Hundt hielt den Ministern ein "merkwürdiges" Verhalten vor. Sie gäben zwar zu, dass wirtschaftliche Kenntnisse heute wichtiger denn je seien. Sie wollten diese aber nur am Rande in anderen Unterrichtsfächern unterbringen. Arbeitgeber, Gewerkschaften, Eltern- und Lehrerverbände sowie Experten aus der Wissenschaft hätten der Kultusministerkonferenz ein Grundkonzept für das Fach Wirtschaft vorgelegt. Ins gleiche Horn wie die BDA stieß am Mittwoch der Bundesverband deutscher Banken. Eine Umfrage des Verbandes zufolge wünschen sich 84 Prozent der Deutschen eine stärkere Orientierung der Lerninhalte an die Anforderungen der Wirtschaft.

Unterdessen befassten sich am Mittwoch Fachleute auf dem 5. Deutschen Internet-Kongress in Karlsruhe mit dem Expertenmangel in der Computerbranche. Würden derzeit europaweit noch 500 000 Experten wie Softwareentwickler und Netzwerk-Administratoren gesucht, werde das Defizit in drei Jahren bereits auf bis zu 2,1 Millionen geschätzt, sagte Ralf Bultschnieder, Vorstand der Personalberatung PKO International Consulting. In Deutschland beenden derzeit lediglich 7000 Informatiker pro Jahr ein Studium, berichtete Siegmar Mosdorf (SPD), Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, auf dem Kongress. Das entspreche dem Jahresbedarf von Siemens, SAP und Intershop. "Wir werden diese Lücke nicht schließen können, wenn wir nicht offen sind", sagte Mosdorf mit Blick auf die Einstellung von ausländischen Fachkräften über die Green Card-Regelung. "Wir brauchen internationale Profis". Bislang seien 2000 Green Cards ausgegeben worden, mindestens 70 000 Fachleute werden nach Branchenschätzungen aber gesucht.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben