Politik : Neues Ultimatum für italienische Geisel in Kabul?

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Rom/Kabul Die Entführer der in Afghanistan verschleppten italienischen Entwicklungshelferin Clementina Cantoni sollen ein neues Ultimatum gestellt haben. Das italienische Fernsehen berichtete am Sonntag, die Kidnapper hätten gedroht, die 32-Jährige zu töten, sollten ihre Forderungen bis zum Nachmittag nicht erfüllt werden. Italienischen Medien zufolge verlangen die Kidnapper, bei denen es sich nicht um Terroristen, sondern um „normale Kriminelle“ handeln soll, unter anderem die Freilassung afghanischer Gefangener. Cantoni war am Montag entführt worden. Ein erstes Ultimatum war kurz darauf verstrichen.

Nach Berichten über den Foltertod zweier US-Gefangener in Afghanistan hat der Vertreter der UN in Kabul eine Bestrafung der beteiligten Soldaten gefordert. „Derartige Misshandlungen sind in keiner Weise hinnehmbar und sie sind ein Affront gegen alles, wofür die internationale Gemeinschaft in Afghanistan steht“, hieß es in einer Erklärung des UN-Sondergesandten Jean Arnault. Zuvor hatte die „New York Times“ unter Berufung auf Dokumente der US-Streitkräfte berichtet, zwei afghanische Gefangene seien im Jahr 2002 auf dem US-Militärstützpunkt Bagram bei Kabul zu Tode gefoltert worden. Karsai hatte sich vor seiner Abreise in die USA schockiert gezeigt. Er forderte die Überstellung aller gefangenen Afghanen an die afghanischen Behörden. Allein in Bagram hält das US-Militär nach eigenen Angaben 500 Afghanen gefangen.

Nach Angaben der „Los Angeles Times“ ist im US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba und anderen Militärgefängnissen im Irak und Afghanistan entgegen dem Dementi der US-Regierung der Koran in der Vergangenheit geschändet worden. Es gebe dazu zahlreiche Zeugen. Jedoch habe es nach einer Verschärfung der Vorschriften in den Militärgefängnissen vor zwei Jahren keine weiteren Beschwerden mehr gegeben, heißt es unter Berufung auf das Internationale Roten Kreuz. Ein ähnlicher Bericht des Nachrichtenmagazins „Newsweek“ vor zwei Wochen hatte zu empörten Reaktionen des Pentagons und schließlich einer Entschuldigung der Zeitschrift geführt. dpa

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