Neugliederung : Niederländische Antillen existieren nicht mehr

Der höchste Berg der Niederlande ist plötzlich 900 Meter hoch, die Einwohnerzahl wächst um 21.000 Menschen - einer Staatsreform sei Dank.

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Am Sonntag hat der Mount Scenery mit 887 Metern Höhe den Vaalserberg als den höchsten Berg der Niederlande abgelöst, das Königreich ist um einen wichtigen Ölhafen neben Rotterdam reicher geworden, und die Bevölkerung wird ohne Einwanderung um 21 000 Untertanen ihrer Majestät wachsen. Der Grund für diese einschneidenden Veränderungen liegt in der Auflösung des Landes Niederländische Antillen innerhalb des Königreichs der Niederlande. Am Sonntag feierten die Inselbewohner ihren neuen Status gemeinsam mit dem Thronfolger Willem-Alexander und Prinzessin Maxima.

Die Zeremonie bildete den Abschluss der staatlichen Neugliederung des einstigen Kolonialgebietes der Niederlande. Die Auflösung der Niederländischen Antillen stellt die tiefgreifendste Staatsreform seit 1954 dar. Damals wurde das sogenannte Königreichsstatut geschaffen – der Versuch, dem Entkolonisierungsdruck der Vereinten Nationen zu entkommen, indem den Niederländischen Antillen weitgehende Autonomie gewährt wurde. Gleichzeitig konnte auf diesem Wege das Königreich dennoch als Ganzes zusammengehalten werden. Die „letzten Reste der tropischen Niederlande“, wie ein Buch des Romanciers W. F. Hermans betitelt ist, waren kein Bestandteil der Europäischen Union und hatten eine eigene Währung. Als erste der Inseln verließ Aruba 1986 den Verband der Niederländischen Antillen und erhielt weitgehende Selbstständigkeit innerhalb des Königreichs. Zu den Niederländischen Antillen gehörten bis zum Samstag Curaçao und Bonaire sowie die 900 Kilometer weiter nördlich gelegenen Inseln Saba, St. Eustatius und St. Marteen, das sich die Niederländer seit 1648 mit St. Martin teilen. St. Martin gehört als Teil des Überseedepartements Guadeloupe zu Frankreich und damit zur Europäischen Union. Eine Grenze zwischen beiden Landesteilen gibt es nicht.

Doch damit ist nun Schluss. Dem Beispiel Arubas folgend, haben vor allem die wirtschaftlich starken Inseln St. Marteen und Curaçao den Wunsch nach Autonomie innerhalb des Königreichs geäußert. Nach fünf Jahren harter Verhandlungen sind diese beiden Inseln autonome Länder innerhalb des Königreichs der Niederlande und haben damit den gleichen Status wie Aruba. Die verbliebenen Inseln Saba, St. Eustatius und Bonaire werden besondere Gemeinden der Niederlande. Mit dieser weiteren Föderalisierung besteht das Königreich der Niederlande nun aus den Niederlanden, Aruba, Curaçao und St. Marteen.

Die sogenannten BES-Inseln haben zusammen 21 000 Einwohner, die jetzt auch an den Wahlen zum niederländischen Parlament teilnehmen dürfen. Der Antillengulden wird auf den BES-Inseln abgeschafft und durch den amerikanischen Dollar ersetzt. „Das ist einfach praktischer für Handel und Tourismus“, erklärte der Sprecher des Ministeriums für Königreichsbeziehungen in Den Haag.

Curaçao und St. Marteen haben noch nicht festgelegt, für welche Währung sie sich entscheiden werden. Die Hoheit über die Sicherheit und die Justiz in diesen beiden neuen Ländern liegt auch weiterhin in den Niederlanden.

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