Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin : "Deutschland, das sind wir selber"

In ihrer Neujahrsansprache geht Angela Merkel auf die Schuldenkrise der Euro-Länder ein und beschwört den Zusammenhalt der Deutschen. Ihre Botschaft: Es wird nicht leicht - doch Europa ist die Mühe wert.

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In der Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin geht es vor allem um die wirtschaftlichen Probleme der Eurozone.
In der Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin geht es vor allem um die wirtschaftlichen Probleme der Eurozone.Foto: Reuters

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zum Jahresausklang die Gemeinsamkeit der Deutschen beschworen und die Bürger zu mehr Zuversicht für 2012 aufgerufen. „Deutschland, das sind wir selber“, sagte die Kanzlerin am Samstag in ihrer Neujahrsansprache und zitierte damit den Dichter Heinrich Heine. Merkel betonte, mit mehr gemeinsamer Anstrengung in Deutschland und in Europa werde es gelingen, die große Krise zu überwinden.
Europa befinde sich in seiner „schwersten Bewährungsprobe seit Jahrzehnten“, räumte die Bundeskanzlerin in ihrer Ansprache ein.

Der Weg, die Krise zu überwinden, werde wohl lang sein und „nicht ohne Rückschläge“ bleiben, sagte sie. „Doch am Ende dieses Weges wird Europa stärker aus der Krise hervorgehen, als es in sie hineingegangen ist“, hob die Kanzlerin hervor. Trotz aller Mühen dürfe dabei nie vergessen werden, „dass die friedliche Vereinigung unseres Kontinents das historische Geschenk für uns ist“. Dass Europa über ein halbes Jahrhundert Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenrechte und Demokratie gebracht habe, „können wir auch in unserer Zeit gar nicht hoch genug schätzen“.

Beschämt reagierte die Kanzlerin auf die vor einigen Wochen bekannt gewordene rechtsterroristisch motivierte Mordserie. Mit den Taten der Mörderbande, die sie über mehr als ein Jahrzehnt unbehelligt begehen konnten, sei ein „unfassbares Maß an Hass und Fremdenfeindlichkeit sichtbar geworden“. Mit Blick auf die Mordserie der Zwickauer Neonazi-Terroristen verspricht Merkel umfassende Aufklärung. Auch alle Helfer würden zur Rechenschaft gezogen. „Es ist unsere Pflicht, die Werte unserer offenen und freiheitlichen Gesellschaft entschlossen zu verteidigen - jederzeit und gegen jede Form von Gewalt“, betont die Regierungschefin in der Rede die am Silvesterabend ausgestrahlt wird. Das sei eine Daueraufgabe nicht nur für die Politik.

Die Kanzlerin erinnerte daran, wie in der Neujahrsnacht vor zehn Jahren die ersten Euro-Scheine aus den Geldautomaten gezogen wurden. Sie wisse, dass sich viele Bürger nun Gedanken um die Sicherheit der Gemeinschaftswährung machten. Doch diese habe sich bewährt. Der Euro habe den Alltag einfacher, die Wirtschaft stärker gemacht und in der Finanz- und Konjunkturkrise 2008 Schlimmeres verhütet. Um die Währung abzusichern, müssten jetzt die Lehren aus Fehlern der Vergangenheit gezogen werden. Dazu gehöre, in Europa mehr als bisher zusammenzuarbeiten.

„Deutschland geht es gut, auch wenn das nächste Jahr ohne Zweifel schwieriger wird als dieses“, sagt die Kanzlerin laut vorab verbreitetem Text in ihrer Neujahrsansprache. Die Bürger könnten darauf vertrauen, dass sie „alles daran setze, den Euro zu stärken“.

Merkel rief die Deutschen angesichts der gute Lage am Arbeitsmarkt zu Zuversicht für die kommenden Herausforderungen auf. Im neuen Jahr wolle die schwarz-gelbe Bundesregierung das Energiekonzept nach dem Atomausstiegsbeschluss zügig umsetzen. Außerdem sollten die Familien gestärkt werden, um Deutschland kinderfreundlicher zu machen. Merkel fügte hinzu: „Wir werden die sozialen Sicherungssysteme so verändern, dass sie auch in Zukunft jedem die Hilfe und Leistung geben, die er braucht, zum Beispiel für die Pflege Alter und Kranker.“

Ausdrücklich ermunterte Merkel die Bürger, sich noch stärker in die Zukunftsgestaltung einzumischen. „Blicken wir einen Moment gemeinsam in die Zukunft: Wie wollen wir zusammenleben und denen helfen, die noch am Rande stehen? Wie sichern wir unseren Wohlstand? Wie lernen wir als Gesellschaft? Zu diesen Fragen habe ich mit über 100 Experten einen Dialog über Deutschlands Zukunft begonnen, und dazu möchte ich auch mit Ihnen ins Gespräch kommen.“ Ab Februar können die Bundesbürger nach Angaben von Merkel im Internet mitdiskutieren und Vorschläge machen. „Ich lade Sie alle ein: Machen Sie mit“, unterstrich die Kanzlerin. Denn Deutschland lebe von der Tatkraft seiner Bürger. „Sie macht es menschlich, und sie macht es erfolgreich. Dafür bin ich dankbar. Darauf baue ich. Auch in Zukunft.“ (dpa/dapd)

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