Neuwahlen : Hessen-SPD streitet weiter

Die hessische SPD kommt nicht zur Ruhe: Die Abweichlerin Carmen Everts wird nicht mehr als Direktkandidatin aufgestellt, Andrea Ypsilanti muss sich mit Rücktrittsforderungen herumschlagen und die Umfragewerte der Sozialdemokraten rutschen in den Keller.

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Nach dem Hessen-Debakel: Was wird aus Andrea Ypsilanti? -Foto: dpa

WiesbadenDer interne Streit der hessischen SPD nach dem gescheiterten Machtwechsel zu Rot-Grün dauert an. Die Abweichlerin Carmen Everts wurde nach Mitteilung vom Mittwoch im SPD-Unterbezirk Groß-Gerau nicht mehr als Direktkandidatin für die Landtagswahl am 18. Januar nominiert. Everts hatte vergangene Woche mit drei anderen Abgeordneten die Wahl der Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti zur hessischen Ministerpräsidentin verhindert. Ypsilanti warf den vier Abgeordneten in der ZDF-Sendung "Johannes B. Kerner" am Dienstagabend Gesprächsverweigerung vor. "Ich finde, ich hätte ein Anrecht darauf gehabt, dass sich die Vier mit mir zusammensetzen", sagte sie.

Schäfer-Gümbel: "Ich werde Ministerpräsident"

Eine Forderung des Unterbezirks Main-Kinzig, Ypsilanti und der Landesvorstand sollten zurücktreten, wurde am Mittwoch dem Hessischen Rundfunk (hr) zugespielt. Ypsilantis Sprecher Frank Steibli bestätigte den Eingang eines solchen Briefes in der vergangenen Woche. Mit der am Samstag eingeleiteten personellen Neuaufstellung habe sich die Sache aber erledigt. Der Unterbezirk selbst distanzierte sich mittlerweile wieder von der Rücktrittsforderung: "Uns war es wichtig, nach dem Debakel zu sagen, dass wir so nicht mehr weitermachen können und Konsequenzen ziehen müssen", sagte Unterbezirkschef André Kavai der "Frankfurter Rundschau". Nun habe aber "irgendein Depp" das vertrauliche Schreiben, das zur internen Debatte bestimmt gewesen sei, in die Öffentlichkeit lanciert.

Bei "Johannes B. Kerner" trat Ypsilanti gemeinsam mit dem neuen Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer- Gümbel auf. Im jetzt anlaufenden Wahlkampf werde sie Schäfer-Gümbel unterstützen, sagte Ypsilanti. "Ich bin noch an Bord." Auf die Frage, ob Schäfer-Gümbel nach der Wahl Ypsilanti als Fraktionsvorsitzender ablösen werde, antwortete dieser: "Nein, ich werde ja Ministerpräsident."

SPD kommt nur noch auf 23 Prozent

Das Debakel der hessischen Sozialdemokraten und Ypsilantis schadet der SPD im Ansehen bundesweit. In der wöchentlichen Umfrage des Magazins "Stern" und des Fernsehsenders RTL verlor die SPD im Vergleich zur Vorwoche drei Punkte und kommt jetzt nur noch auf 23 Prozent. Das sei ihr schlechtester Wert seit dem Wechsel an der Parteispitze Anfang September, teilte das Magazin am Mittwoch mit.

Die Union kletterte der Forsa-Umfrage zufolge um einen Punkt auf 37 Prozent. Die Grünen stiegen um zwei Punkte auf 9 Prozent. Die Werte der FDP (12 Prozent) und der Linkspartei (13 Prozent) blieben unverändert. Für sonstige Parteien würden 6 Prozent der Wähler stimmen. Gemeinsam kommen Union und FDP demnach auf eine Mehrheit von 49 Prozent. SPD, Grüne und Linkspartei liegen zusammen bei 45 Prozent. Forsa hatte für die Umfrage vom 3. bis 7. November 2501 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger befragt. Statistische Fehlertoleranz: +/- 2,5 Prozentpunkte. (sba/dpa)

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