Politik : Neuwahlen in Peru: Wundersame Wandlung - Tritt Fujimori freiwillig ab? (Kommentar)

Armin Lehmann

Es gibt Menschen, die haben plötzliche Eingebungen, bereuen ihre Schuld und wandeln sich. Sagen wir, vom Diktator zum Demokraten. Ein Märchen? Nicht immer - aber in diesem Fall. Alberto Fujimori ist so ein Fall. Er ist Präsident Perus und mag Märchen. Vor allem die, die er selbst inszeniert: Er will alle Welt glauben machen, er habe sich zum Demokraten geläutert. Der Anlass: Geheimdienstchef Vladimiro Montesinos, Fujimoris alter ego, ist dabei gefilmt worden, wie er Vertreter der Opposition mit Geld besticht. Das ganze Land hat davon erfahren. Und wie reagiert "Fuji"? Er sieht öffentlich ein, dass es so nicht weitergehen kann, denkt über Rücktritt nach und darüber, ob es nicht richtig wäre, Neuwahlen auszuschreiben. Das klingt zu märchenhaft.

Der Hintergrund: Dass der berüchtigte Geheimdienstchef dabei gefilmt wurde, wie er die Opposition besticht, ist normalerweise für Fujimori eine Alltagsmeldung. Denn in der über zehnjährigen Ära als Präsident hat er mehr als nur einmal gegen das Recht verstoßen. Er hat Verfassungsrichter entlassen und die Verfassung so hingebogen, dass eine dritte Amtszeit für ihn möglich war. Er hat kritische Medien verboten, Oppositionelle durch den Geheimdienst einschüchtern lassen und eine neue Partei mit massenweise gefälschten Unterschriften gegründet. So handeln Diktatoren.

Und sie handeln auch so, wenn sie unter Druck geraten. Einiges spricht dafür, dass Montesinos für Fujimori gefährlich geworden ist, dass er nicht mehr zu kontrollieren war - der Mann, der zu viel wusste: Fujimori hat schon seine dritte Amtszeit mit aller Macht und vermutlich auch mit Betrug durchgesetzt; obwohl ihm Wahlbeobachter undemokratisches Vorgehen vorgeworfen hatten. Sein Wissen hat Montesinos stark gemacht - für einen Diktator zu stark. Da wird es logisch, dass Fujimori ihn loswerden musste. Wenn er sich selbst retten will.

Wenn er im Sinne des Machterhaltes weitermachen würde wie bisher, hätte Fujimori erst recht keine Chance mehr - ohne Popularität im Volk. Aber was, wenn die Inszenierung noch nicht zu Ende ist? Der Diktator-Präsident weiß, dass die Opposition nicht stark ist; dass sein schärfster Konkurrent Alejandro Toledo populär, aber ohne Programm ist. Vielleicht setzt Fujimori wieder einmal auf Zeit. Vielleicht opfert er nur den Geheimdienstchef. Und vielleicht glaubt er, dass ihn das Volk dann doch wieder rufen wird - Fujimori, den Retter. So ein Märchen.

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