New Orleans : Kopf-an-Kopf-Rennen bei Bürgermeisterwahl

Die amerikanische Südstaatenmetropole New Orleans hat einen Bürgermeister gewählt. Alles deutet auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Amtsinhaber Ray Nagin und Herausforderer Mitch Landrieu hin.

Washington - Gegen den schwarzen Amtsinhaber Ray Nagin (49) tritt sein weißer Herausforderer Mitch Landrieu (45) an. Mit dem Ergebnis für die durch den Hurrikan "Katrina" vor knapp neun Monaten überflutete Stadt wurde erst am frühen Sonntag (Ortszeit) gerechnet. Landrieu ist stellvertretender Gouverneur des Bundesstaates Louisiana. Sein Vater war der letzte weiße Bürgermeister von New Orleans in den 70er Jahren. Nach letzten Umfragen hatte er einen hauchdünnen Vorsprung vor Nagin.

Schon am frühen Morgen rollten in New Orleans die Busse mit Wählern ein, die nach dem Hurrikan geflüchtet waren und teilweise hunderte Kilometer zurücklegen mussten. Von den einst rund 500.000 Einwohnern kehrten nur knapp die Hälfte bislang zurück.

Bei der ersten Bürgermeisterwahlrunde lag die Wahlbeteiligung unter den Weißen bei 51 Prozent der registrierten Wähler, unter den Schwarzen bei 31 Prozent. Viele Einwohner der wohlhabenden, überwiegend weißen Stadtteile waren vor dem Hurrikan in umliegende Orte geflüchtet und kehrten schnell zur Renovierung ihrer überfluteten Häuser zurück. Vielen Schwarzen fehlte dagegen das Geld zur Flucht. Sie saßen tagelang in der weitgehend unter Wasser stehenden Stadt fest, wurden unter chaotischen Umständen gerettet und in Auffangzentren teils tausende Kilometer entfernt, verteilt.

Landrieu macht Nagin für den schleppenden Wiederaufbau verantwortlich und verspricht, Industriesponsoren für die Stadt zu gewinnen. Nagin, der während des Hurrikans mit beißender Kritik an den Bundesbehörden in derben Worten Schlagzeilen machte, argumentiert dagegen, er könne die Stadtentwicklung als intimer Kenner der Probleme schneller voranbringen. In den armen Stadtteilen türmen sich noch Schuttberge. Strom- und Wasserversorgung sind dort noch nicht wieder hergestellt. Unklar ist noch, ob ganze Viertel nicht völlig abgerissen werden. Der Bürgermeister legt am 31. Mai den Amtseid ab, einen Tag vor dem offiziellen Beginn der Hurrikansaison. (tso/dpa)

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