New York : Venezuelas Außenminister auf Flughafen festgehalten

US-Sicherheitsbeamte haben am Samstag den venezolanischen Außenminister Nicolas Maduro mehr als anderthalb Stunden auf einem New Yorker Flughafen festgehalten. Das US-Außenministerium entschuldigte sich bei der Regierung in Caracas.

New York - Venezuelas Außenminister, Nicolas Maduro, sei auf seiner Heimreise von der UN-Vollversammlung schikaniert und bedroht, sein Pass und sein Fluckticket seien eingezogen worden, berichtete Maduro anschließend vor Journalisten in New York. Er hielt den Zwischenfall für eine Reaktion auf die jüngste Verbalattacke von Staatschef Hugo Chávez auf US-Präsident George W. Bush.

Laut Maduro verschlimmerte sich die Situation auf dem Flughafen noch, nachdem er sich als Venezuelas Chefdiplomat zu erkennen gegeben habe. "Sie fingen an, mich zu beschimpfen und zu schreien. Dann brachten sie einen Polizisten (..) und begannen, uns mit Schlägen zu bedrohen." Als Vertreter des US-Außenministeriums eingetroffen seien, habe er zunächst aufgeatmet: "Doch dann befahlen sie uns, Beine und Arme auszubreiten, damit die Polizei uns durchsuchen kann". Erst eine Delegation unter Leitung des venezolanischen UN-Botschafters Francisco Arias Cardenas habe ihn wieder freibekommen.

US-Regierung entschuldigt sich

Der Außenminister sprach von einer "beschämenden Situation" und einem "Angriff auf internationales Recht". UN-Generalsekretär Kofi Annan habe bereits ein Team von Anwälten auf den Vorfall angesetzt. Selbst der Lateinamerika-Experte im US-Außenministerium, Thomas Shannon, habe sich in einem Telefonat befremdet gezeigt.

Der Sprecher im US-Außenministerium, Gonzalo Gallegos, bestätigte und bedauerte den "Zwischenfall". Die US-Regierung habe sich bei Maduro und der venezolanischen Regierung entschuldigt. Dagegen hatte ein Sprecher im Heimatschutzministerium zunächst die Vorwürfe des Ministers zurückgewiesen. Maduro sei lediglich zu einer zusätzlichen Sicherheitskontrolle gebeten worden. Es gebe keine Belege dafür, dass er "angegriffen, festgenommen oder in Gewahrsam genommen wurde, noch wurden seine Reisepapiere beschlagnahmt".

Zusammenhang mit Chávez-Rede?

Venezuelas Vize-Präsident José Vicente Rangel bezeichnete die Behandlung des Ministers als "unerhörten Angriff". Er sah ebenfalls einen Zusammenhang mit Chávez Schimpfkanonade während der UN-Vollversammlung. In seiner Rede hatte dieser seinen Erzfeind im Weißen Haus unter anderem als "Teufel", "Lügner" und "Tyrannen" bezeichnet.

Dagegen sagte Chávez, Maduro sei offenbar unter dem Verdacht festgenommen worden, dass er an seinem fehlgeschlagenen Putsch vom 4. Februar 1992 gegen den damaligen venezolanischen Präsidenten Carlos Andrés Pérez teilgenommen habe. Vermutlich stehe Maduro auf der Liste des 4. Februars, sagte der frühere Putschistenführer dem venezolanischen Fernsehen. Doch habe Maduro mit der Rebellion nichts zu tun. (tso/AFP)

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