Newsblog zum Terror in Europa : Mehrere Anti-Terror-Einsätze in Brüssel

Für Belgiens Hauptstadt gilt auch am Montag die höchste Terrorwarnstufe. Metro, Schulen und Universitäten geschlossen. Frankreichs Polizei veröffentlicht Attentäter-Foto. Der Newsblog vom Sonntag zum Nachlesen

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Polizei und Militär am Sonntagabend in der Innenstadt von Brüssel.
Polizei und Militär am Sonntagabend in der Innenstadt von Brüssel.Foto: Emmanuel Dunand/AFP

Weitere Hintergründe und Analysen zum Anschlag in Paris und den Folgen können Sie hier auf unserer Sonderseite lesen.

Die französische Polizei sucht Informationen zu diesem Mann, der einer der drei Selbstmordattentäter vorm Stade de France gewesen sein soll.
Die französische Polizei sucht Informationen zu diesem Mann, der einer der drei Selbstmordattentäter vorm Stade de France gewesen...Foto: Französische Polizei/AFP

23:17 Uhr - Frankreich veröffentlicht Foto eines Attentäters vom Stade de France: Mit einem Foto will die französische Polizei den dritten Selbstmordattentäter identifizieren, der sich vor dem Fußballstadion Stade de France in die Luft gesprengt hatte. Die Polizei veröffentlichte den Zeugenaufruf am Sonntagabend. Nur einer der drei Terroristen wurde bislang eindeutig identifiziert: Bilal Hadfi, ein 20-jähriger Franzose, der in Belgien gewohnt hatte. Die beiden nicht bekannten Attentäter wurden am 3. Oktober bei der Einreise auf der griechischen Insel Leros registriert. Bei seiner Einreise habe der Mann, dessen Foto nun veröffentlicht wurde, einen syrischen Pass mit dem Namen Mohammad al-Mahmod vorgelegt, so die Nachrichtenagentur AFP mit Berufung auf Ermittlungskreise. Beide Männer hätten am 8. Oktober die Fähre nach Piräus genommen, um dann weiter nach Serbien zu gelangen.

22:38 Uhr - Bombendrohung legt Hauptbahnhof in Prag lahm: Wegen einer anonymen Bombendrohung ist am Sonntagabend der Prager Hauptbahnhof evakuiert und für mehrere Stunden geschlossen worden. Die Polizei durchsuchte das gesamte Gebäude und die am Hauptbahnhof abgestellten Züge. Alle anderen Züge wurden sofort zu anderen Bahnhöfen umgeleitet. Wie ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur CTK mitteilte, sei bereits ein Verdächtiger festgenommen worden. Kurz vor 22 Uhr stand noch nicht fest, wie lange die Sperrung des Hauptbahnhofs dauern werde. Nach den Terroranschlägen in Paris herrscht auch in Tschechien große Nervosität.

22:32 Uhr - Polizei bittet um Zurückhaltung in sozialen Netzwerken: Die belgische Polizei hat darum gebeten, keine Details zum Anti-Terror-Einsatz in Brüssel in sozialen Netzwerken zu verbreiten. Der öffentliche Radiosender RTBF teilte am Sonntagabend mit, er werde dieser Bitte folgen. Der Sicherheitsexperte André Jacob sagte dem Sender, es sei nach seinem Eindruck das erste Mal, dass die Polizei mit einem solchen Vorstoß zur Medienzurückhaltung an die Öffentlichkeit gehe. Die Sicherheitskräfte sind an mehreren Orten der Hauptstadt im Einsatz, unter anderem in der Nähe des zentralen Marktplatzes Grand Place.

22:11 Uhr - Belgische Polizei bestätigt Anti-Terror-Einsätze: In Belgien sind im Zusammenhang mit der erhöhten Terrorgefahr Polizeiangaben zufolge derzeit "verschiedene Operationen im Gange". Das bestätigte die belgische Bundespolizei der Nachrichtenagentur AFP. Einzelheiten wollte sie mit Blick auf die laufenden Maßnahmen jedoch nicht nenne. Die Staatsanwaltschaft "wird eine Pressekonferenz geben, wenn alles beendet ist", sagte ein Sprecher.

21:36 Uhr - Selbstmordattentäterin tötet acht Menschen in Nigeria: Eine Selbstmordattentäterin hat im Nordosten Nigerias acht Menschen mit in den Tod gerissen. Die Frau habe am Sonntag einen Sprengstoffgürtel in einem Flüchtlingslager in der Stadt Maiduguri im Bundesstaat Borno gezündet, sagten Augenzeugen der Deutschen Presse-Agentur. Mindestens zwölf weitere Menschen seien verletzt worden. Erst am Samstag hatten sich vier Selbstmordattentäterinnen bei der Stadt Fotokol unmittelbar hinter der Grenze zu Kamerun in die Luft gesprengt. Dabei starben sechs weitere Menschen. Beide Taten tragen die Handschrift der islamistischen Terrororganisation Boko Haram.

21:14 Uhr - EU-Kommission bleibt Montag geöffnet: Die EU-Kommission wird am Montag in Brüssel trotz der höchsten Terrorwarnstufe normal arbeiten. „Es besteht keine spezifische Bedrohung für die EU-Institutionen“, schrieb die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Kristalina Georgiewa, am Sonntagabend im Kurznachrichtendienst Twitter. Geplante Treffen im Kommissionsgebäude könnten stattfinden. Die Sicherheitsmaßnahmen und Personenkontrollen würden aber verstärkt. Für die Mitarbeiter werde es flexible Arbeitsmöglichkeiten und Telearbeit geben. Die Europäischen Schulen und Krippen würden dagegen geschlossen. In der Kommission sind etwa 23.000 Menschen beschäftigt.

21:08 Uhr - Polizei-Operation rund um den Grand Place: Einer der Einsätze spielt sich derzeit am Grand Place im Herzen der belgischen Hauptstadt ab. Darauf deuten Berichte bei Twitter hin. Zwei Häuserblocks seien abgeriegelt, schrieb BBC-Korrespondent Christian Fraser. Dabei teilte er das Bild eines Linienbusses, der genutzt worden sei, um eine Straße zu sperren. Aufschrift: "What a wonderful world." In einigen Restaurants würden die Gäste gebeten, drinnen zu bleiben, bis die Polizei Entwarnung gebe, hieß es außerdem. Anwohner sollten nicht ans Fenster treten.

20:52 Uhr - Mehrere Anti-Terror-Einsätze im Zentrum von Brüssel: Im Zentrum von Brüssel hat die Polizei am Sonntagabend mehrere Anti-Terror-Einsätze gestartet. Einsatzkräfte hätten einen Sicherheitsring um die Rue du Midi in der Innenstadt errichtet, meldete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Nach Angaben des belgischen Rundfunks RTBF waren Polizeieinheiten auch im Stadtteil Etterbeek aktiv. Nach Angaben der Regierung besteht die Gefahr von Anschlägen wie in Paris, es wird nach Terrorverdächtigen gesucht. Aus diesem Grund war auch die Terrorwarnung bis Montag ausgeweitet worden.

20:36 Uhr - Minister treffen sich am Montag wie geplant in Brüssel: Trotz der höchsten Terrorwarnstufe in Brüssel werden am Montag die Treffen der EU-Finanzminister und der EU-Bildungsminister stattfinden. Das teilte die Ständige Vertretung Luxemburgs bei der EU am Sonntagabend im Kurzmitteilungsdienst Twitter mit. Luxemburg leitet derzeit die Ministertreffen. Die Euro-Finanzminister oder ihre Vertreter treffen sich um 15 Uhr, um über die Auszahlung von weiteren Hilfsmilliarden an Griechenland und die Haushaltsentwürfe der Eurostaaten für das kommende Jahr zu beraten. Die Minister für Kultur und Bildung wollen unter anderem über die Migrationspolitik sprechen. Andere Treffen in dem Ratsgebäude seien dagegen abgesagt.

19:20 Uhr - Hollande berät sich mit Staats- und Regierungschefs: Vor dem Hintergrund der Anschläge von Paris empfängt Frankreichs Präsident François Hollande am Montag den britischen Premierminister David Cameron. Das Treffen leitet eine Reihe von Gesprächen Hollandes mit Staats- und Regierungschefs ein: Am Dienstag trifft Hollande in Washington US-Präsident Barack Obama, am Mittwoch empfängt er in Paris Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und am Donnerstag besucht er den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Hollande will eine breite Allianz gegen die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) schmieden, die sich zu der Pariser Anschlagsserie mit 130 Toten bekannt hatte. Die Koalition soll auch Russland einschließen. Großbritannien beteiligt sich wegen der Ablehnung im Parlament nicht an den Luftangriffen auf den IS in Syrien.

18:54 Uhr - Höchste Terrorwarnstufe in Brüssel auch am Montag: Die höchste Terrorwarnstufe für die belgische Hauptstadt Brüssel wird verlängert. Das teilte der belgische Premierminister Charles Michel nach einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrates am Sonntag mit. Schulen und Universitäten in der Stadt sollten geschlossen bleiben, die Metro weiterhin außer Betrieb bleiben, sagte Michel bei einer Pressekonferenz. Am Montagnachmittag werde der Sicherheitsrat zusammenkommen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Zugleich dankte der Premier den Bürgern für die Gelassenheit, mit der sie die Einschränkungen hinnehmen würden.

Ein Polizist und Soldaten stehen Wache in der Rue des Bouchers, einer bekannten Ausgehmeile in Brüssel.
Ein Polizist und Soldaten stehen Wache in der Rue des Bouchers, einer bekannten Ausgehmeile in Brüssel.Foto: Stephanie Lecocq/dpa

18:36 Uhr - Medienhaus bei Brüssel wieder freigegeben: Nach einer Bombendrohung ist das Medienhaus der flämischen Gruppe Medialaan in Vilvoorde bei Brüssel wieder freigegeben. „Das Gebäude wurde durchsucht und nichts Verdächtiges gefunden“, sagte eine Sprecherin laut belgischer Nachrichtenagentur Belga. Die Mitarbeiter hätten ihre Arbeit wieder aufnehmen können. Am Sonntagnachmittag war das Medienhaus geräumt worden; Polizisten durchsuchten die Etagen mit Spürhunden nach Sprengstoff.

17:56 Uhr - Britisches Davis-Cup-Team reist später nach Belgien: Wegen der aktuellen Terrorgefahr in Brüssel reist das britische Davis-Cup-Team Medienberichten zufolge verspätet nach Belgien. Im rund 60 Kilometer von der belgischen Hauptstadt entfernten Gent soll von Freitag an das Endspiel im prestigeträchtigen Tennis-Mannschaftswettbewerb zwischen Belgien und Großbritannien stattfinden. Der Internationale Tennis-Verband (ITF) erklärte, man beobachte die Ereignisse in Belgien mit Sorge. Eine Absage des Endspiels ist bislang aber noch nicht geplant. Andy Murray und seine Kollegen wollen nach britischen Medienberichten nun am Montag nach Brüssel fliegen. Ursprünglich war die Anreise für heute geplant.

17:24 Uhr - Tschechien würde Bodenoffensive gegen IS unterstützen: Tschechien würde eine eventuelle Bodenoffensive gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien mit 200 Soldaten unterstützen. Das sagte Verteidigungsminister Martin Stropnicky am Sonntag in einer Diskussionssendung des tschechischen Fernsehens CT. Dabei würde es sich um Sanitäts- und Chemiewaffen-Abwehreinheiten handeln. Grundsätzlich bevorzuge er aber eine Lösung, bei der die Staaten der Region Truppen bereitstellen, fügte der liberale Politiker hinzu. Vorige Woche hatte Tschechien mit US-amerikanischer Hilfe zehn Millionen Schuss Munition und 5000 Granaten an die Kurden im Nordirak für ihren Kampf gegen den IS geliefert.

17:14 Uhr - Medienhaus bei Brüssel nach Bombendrohung evakuiert: Das Medienhaus der flämischen Gruppe Medialaan in Vilvoorde bei Brüssel ist am Sonntag wegen einer Bombendrohung geräumt worden. Das gesamte Gebäude wurde evakuiert, alle Mitarbeiter mussten ihre Büros verlassen, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Polizisten mit Spürhunden durchsuchten das Haus nach Sprengstoff. Wegen erhöhter Anschlagsgefahr gilt in Brüssel und auch in der angrenzenden Stadt Vilvoorde seit Samstagmorgen die höchste Terrorwarnstufe. Das Medienhaus beherbergt den flämischen Privatsender VTM, dort werden mehrere Radio- und Fernsehprogramme produziert.

Mit diesem Bild fahndet die französische Polizei nach dem Verdächtigen Abdeslam Salah.
Mit diesem Bild fahndete die französische Polizei nach dem Verdächtigen Salah Abdeslam. Auf dem Plakat waren Nach- und Vorname...Foto: Police Nationale

16:41 Uhr - Bruder geht von Rückzieher Abdeslams aus: Mohamed Abdeslam sagte am Sonntag dem belgischen Sender RTBF, sein Bruder Salah, einer der Verdächtigen der Terroranschläge von Paris, sei womöglich "nicht bis zum Ende dessen gegangen, was er geplant hatte". "Das ist mehr als meine Hoffnung, das ist meine Überzeugung", sagte er. "Salah ist sehr intelligent, ich denke, dass er in letzter Minute umgeschwenkt ist", vermutete Mohamed Abdeslam. "Vielleicht hat er etwas gesehen oder gehört, was er nicht erwartet hatte und entschieden, die Sache nicht zu Ende zu bringen." Ein anderer Bruder, Brahim Abdeslam, hatte sich in einem Pariser Restaurant in die Luft gesprengt. Mohamed Abdeslam rief seinen Bruder Salah bei dieser Gelegenheit auf, sich den Behörden zu stellen und zur Aufklärung der Anschläge beizutragen.

16:10 Uhr - Liebe in Zeiten der Terrorfurcht: Bizarre Szenen in Brüssel, wo das öffentliche Leben an diesem Wochenende aus Furcht vor einem Anschlag praktisch daniederliegt. Aber das muss dem privaten Glück nicht im Wege stehen - wie dieses Bild eines frisch vermählten Ehepaars zeigt, das sich offenbar schon am Samstag das Ja-Wort gegeben hat. Flankiert von schwerbewaffneten Soldaten.

15:59 Uhr - Russland schickt Hundewelpen als Zeichen der Solidarität: Eine ungewöhnliche Geste der Verbundenheit mit Frankreich kommt von der russischen Regierung. Nachdem der Sprengstoffspürhunds „Diesel“ beim Einsatz in Saint-Denis getötet wurde, bot Innenminister Wladimir Kolokolzew seinem Pariser Kollegen Bernard Cazeneuve einen Hundewelpen als Geschenk an. Der kleine „Dobrynja“, benannt nach einem Drachentöter in einem russischen Epos, soll der französischen Spezialeinheit Raid über den Verlust ihres Hundes hinweghelfen. Kolokolzew sprach von einem „Zeichen der Solidarität mit dem französischen Volk und der Polizei“.

14:40 Uhr - Eagles of Death Metal sprechen über den Bataclan-Anschlag: Nach dem Terrorangriff auf den Pariser Musikclub Bataclan haben Mitglieder der Eagles of Death Metal - Frontmann Jesse Hughes und Bandkollege Joshua Homme - zum ersten Mal in einem Interview über die Ereignisse der Nacht gesprochen. Einen Auszug aus dem Gespräch hat des "Vice"-Magazin jetzt vorab veröffentlich.

13:39 Uhr - Bruder von gesuchtem Terrorverdächtigen: Salah soll sich stellen: Der Bruder des Terrorverdächtigen Salah Abdeslam hat diesen öffentlich aufgefordert, zur Polizei zu gehen. „Wir wollen, dass Salah sich stellt“, sagte Mohamed Abdeslam dem belgischen Fernsehen RTBF. „Damit er uns, seiner Familie und den Familien der Opfer und all den anderen Menschen die Antworten geben kann, auf die wir warten.“ Zu der intensiven Fahndung der Polizei nach seinem Bruder sagte Mohamed Abdeslam: „Wir ziehen es vor, Salah im Gefängnis zu sehen als auf dem Friedhof.“

12:15 Uhr - Autor Rushdie warnt vor Kriegs-Hysterie: Der Schriftsteller Salman Rushdie warnt den Westen vor eine verbalen Aufrüstung im Kampf gegen den Terror. Zwar wähne sich der „Islamische Staat“ im Krieg gegen den Westen, sagte Rushdie der Deutschen Welle. Allerdings sollte der Westen selbst mit solchen Begriffen zurückhaltend umgehen. „Den Krieg gegen den Terror kann man nicht gewinnen“, sagte Rushdie, „man kann auch keinen Friedensvertrag mit dem Terror schließen“. Die einzig richtige Antwort auf die Gewalt hätten die Menschen in Paris gegeben, sagte der Schriftsteller. Die Einwohner der französischen Hauptstadt hätten den Anschlägen getrotzt, indem sie nicht zu Hause geblieben seien. Damit demonstrierten sie nach Auffassung Rushdies aller Welt, dass sie der Furcht keinen Raum geben wollten.

11:22 Uhr- Obama glaubt an vollständige Zerstörung der IS-Miliz: US-Präsident Barack Obama ist zuversichtlich, dass die IS-Miliz im Kampf gegen den Terror zerstört wird. „Wir werden das schaffen“, betonte er am Sonntag am Rande des Ostasien-Gipfels in Malaysia vor der Presse. Niemand dürfe sich einschüchtern lassen. „Wir erliegen nicht der Angst“, sagte Obama. „Unser stärkstes Werkzeug im Kampf gegen die IS-Miliz ist es zu bekräftigen, dass wir keine Angst haben.“

Der geplante Terroranschlag auf das Länderspiel konnte offenbar nur sehr knapp verhindert werden.
Der geplante Terroranschlag auf das Länderspiel konnte offenbar nur sehr knapp verhindert werden.Foto: imago/Ulmer

10:50 Uhr - Verwirrung um Terrorwarnung von Hannover: Wie konkret war die Terrorwarnung, die zur Absage des Länderspiels in Hannover geführt hat, wirklich? Darüber gibt es an diesem Sonntag höchst widersprüchliche Berichte. Auf der einen Seite die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung": Ihr zufolge lagen den deutschen Sicherheitsbehörden sogar konkrete Namen von Verdächtigen vor. Nun werde nach den Personen gesucht, unter anderem durch die Beobachtung sogenannter Gefährder. Die Gefahr eines Anschlags sei weiterhin hoch, so die FAS unter Berufung auf Sicherheitskreise. Auch nach Tagesspiegel-Informationen lag den Sicherheitsbehörden ein recht konkretes Bedrohungsszenario und mindestens ein Name eines mutmaßlichen Terroristen vor. Ganz anders klingt es dagegen beim ZDF. Einem Bericht des Senders zufolge, der sich ebenfalls auf Sicherheitskreise beruft, gibt es nicht einmal Hinweise darauf, dass eine Terrorzelle mit entsprechenden Anschlagsplänen überhaupt existiert. Wahrscheinlich habe es sich um Fehlinformationen gehandelt, wie sie Nachrichtendienste fast wöchentlich bekämen, hieß es am Sonntagmorgen bei "heute.de".

10:36 - Frankreich bringt Flugzeugträger in Stellung: Frankreich will seine Angriffe auf IS-Stellungen weiter verstärken. Bereits kurz nach den Anschlägen von Paris war der Flugzeugträger "Charles de Gaulle" mit 26 Kampfjets an Bord in Richtung östliches Mittelmeer ausgelaufen. Wie die Agentur AFP berichtet, soll er am Montag seine Zielposition erreichen.

10:21 Uhr - Cameron legt Plan zum Kampf gegen IS-Milizen in Syrien vor: Der britische Premierminister David Cameron will einen umfassenden Plan zum Kampf gegen den IS vorlegen. Wie die BBC berichtet, will er die Strategie bereits in dieser Woche präsentieren. Nach den Terrorattacken von Paris dringt Cameron verstärkt auf eine Ausweitung britischer Luftangriffe auf IS-Stellungen auch in Syrien. Dazu strebt er eine breite Mehrheit im Parlament an. Bislang bombardieren britische Piloten IS-Kämpfer im Irak, nicht aber in Syrien. Am Montag trifft Cameron den französischen Staatspräsidenten François Hollande in Paris, um über den Anti-Terror-Kampf zu beraten.

10:06 Uhr - Steinmeier: Wollten Panik im Stadion vermeiden: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat beim Fußball-Länderspiel in Paris trotz der Terroranschläge auf der Tribüne ausgeharrt, um eine Panik zu vermeiden. Frankreichs Präsident François Hollande habe nach den ersten Informationen das Stadion nach der Halbzeitpause verlassen. Er selbst sei aber auf Bitten der Sicherheitsbeamten geblieben, sagte Steinmeier der „Bild am Sonntag“. „So haben wir wieder unsere Plätze eingenommen und 45 Minuten lang so getan, als interessierte uns das Fußballspiel.“ Bei den im Stadion deutlich vernehmbaren Detonationen habe er zunächst an Feuerwerkskörper gedacht. Als die ersten Nachrichten darüber kamen, was geschehen war, sei das ein Schock gewesen. Keiner habe gewusst, „wie der Abend zu Ende geht“.

9:24 Uhr - Ermittler rätseln über Identität des dritten Toten in Saint-Denis: Nach dem Anti-Terror-Einsatz vor den Toren von Paris bleibt die Identität des dritten Toten ungeklärt. Die Ermittler konnten zwar die DNA des Mannes analysieren, fanden dafür aber keine Entsprechung in ihrer Datenbank, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Polizeikreise berichtet. Der Unbekannte hatte sich nach Polizeiangaben bei dem Angriff auf eine Wohnung in der Vorstadt Saint-Denis selbst in die Luft gesprengt. Die beiden anderen Toten des Einsatzes vom vergangenen Mittwoch sind Abdelhamid Abaaoud, der mutmaßliche Drahtzieher der Pariser Anschläge, und dessen Cousine Hasna Aitboulahcen.

9:09 Uhr - Weiterhin höchste Terrorwarnstufe in Brüssel: In der belgischen Hauptstadt Brüssel gilt am Sonntag wegen der Terrorgefahr weiterhin die höchste Warnstufe. Das öffentliche Leben steht den zweiten Tag in Folge weitgehend still. So waren Märkte und Sportereignisse abgesagt worden. Die U-Bahn war komplett geschlossen, die meisten Busse und Straßenbahnen fuhren aber. Am Nachmittag will die Regierung bei einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrats gemeinsam mit Polizei und Sicherheitsbehörden über weitere Maßnahmen beraten. Wegen Hinweisen auf eine konkrete Bedrohung war die Terrorwarnstufe für Brüssel in der Nacht von Freitag auf Samstag auf das maximale Niveau 4 angehoben worden.

8:27 Uhr - Turkish-Airlines-Flug nach Bombendrohung umgeleitet: Ein türkisches Passagierflugzeug ist wegen einer Bombendrohung nach Kanada umgeleitet worden. Wie die kanadische Polizei am Sonntag mitteilte, steuerte die Maschine der Fluggesellschaft Turkish Airlines nach ihrem Start in New York aus Sicherheitsgründen den Flughafen in Halifax an, wo sie schließlich sicher landete. An Bord des Flugs mit Ziel Istanbul waren 256 Passagiere und Crewmitglieder. Bereits Anfang der Woche mussten in den USA zwei Flugzeuge der französischen Fluggesellschaft Air France wegen Bombendrohungen umgeleitet werden.

8:13 Uhr - Polizei vereitelte "minutiös geplanten Terrorangriff" in Hannover: Ein „minutiös geplanter Terrorangriff“ auf das Fußball-Länderspiel am vergangenen Dienstag in Hannover ist nach Zeitungsinformationen nur kurzfristig durch die Absage des Spiels gescheitert. Dies berichtet die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise. Die Gruppe, die den Anschlag demnach plante, könne immer noch zuschlagen. Der französische Geheimdienst habe dem deutschen Verfassungsschutz mitgeteilt, dass eine Terroristengruppe fünf Bomben zünden wolle - drei davon im Stadion, eine an einer Bushaltestelle und eine an einem Bahnhof, berichtete die FAS. Es seien auch Namen von Terroristen mitgeteilt worden. Den Sicherheitsbehörden seien diese bisher nicht bekannt gewesen. Um diese Personen zu finden, würden nun sogenannte Gefährder beobachtet. Seit Donnerstag ermittele der Generalbundesanwalt in dem Fall.

6:40 Uhr - De Maizière und Oppermann gegen Bundeswehr im Inneren: Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat sich gegen einen Einsatz der Bundeswehr im Innern ausgesprochen. "Die Gewährleistung der inneren Sicherheit ist in Deutschland Aufgabe der Polizei, die hierzu auch gut aufgestellt ist", sagte de Maizière der "Bild am Sonntag". Er verwies darauf, dass die Bundeswehr auch heute schon unter bestimmten Voraussetzungen zur Unterstützung der Polizei tätig werden könne. Dies habe auch das Bundesverfassungsgericht klargemacht. Eine Änderung oder Verschärfung von Gesetzen lehnte er ebenfalls ab. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann wies Forderungen von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nach einem Einsatz der Bundeswehr zur Terrorabwehr zurück. "Das ist für die SPD indiskutabel", sagte Oppermann dem Tagesspiegel. Die Trennung der Aufgaben von Polizei und Bundeswehr gelte in Deutschland aus guten Gründen: "Wir brauchen keine Militarisierung der inneren Sicherheit."

6:20 Uhr - Brüssel steht still: Wegen einer "sehr ernsten Bedrohung" gilt in der belgischen Hauptstadt seit Samstag die Terrorwarnstufe 4, das Leben kommt weitgehend zum Erliegen. Lesen Sie hier den Bericht von Christopher Ziedler.

(mit Agenturen)

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