Politik : Nicht alles für jeden, aber für jeden das Beste

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Von Ulrike Frenkel, München

Wer alle auf die gleiche Art und Weise fordert, unterfordert die einen und überfordert die anderen. Dies ist der Leitsatz für das bayerische Schulsystem. Weil schon Kinder durch Erbmerkmale oder Prägung durch Elternhaus und soziales Umfeld unterschiedlich sind, gilt es im südlichsten deutschen Bundesland als gut und richtig, ihnen drei unterschiedliche Schulformen anzubieten. Ein guter, auf Wunsch geprüfter Hauptschulabschluss, eine handwerkliche Ausbildung gelten etwas im Freistaat, Abitur und Hochschulstudium werden nicht als Freifahrtschein gehandelt.

Nach vier Jahren Grundschule, in denen von Anfang an täglich fünf Stunden Unterricht stattfinden und schon in den ersten Klassen Lernzielkontrollen durchgeführt werden, gilt eine strenge Übertrittsregelung. Vor allem die Leistungskriterien in den Fächern Deutsch, Mathematik und Heimat und Sachkunde müssen erfüllt sein.

In der Hauptschule wird praxisorientierter unterrichtet, ein Klassenlehrer arbeitet fächerübergreifend mit den Schülern in Sachgruppen wie zum Beispiel PCB, also Physik, Chemie, Biologie. Am Ende der neunten Klasse wird neben dem Hauptschulabschluss der qualifizierte Hauptschulabschluss angeboten. Bei guten Quali-Ergebnissen lässt sich nach der zehnten Klasse durch zentrale Abschlussprüfungen noch ein mittlerer Bildungsabschluss erreichen. Die Realschule ist sechsjährig und ist die klassische Ausbildungsstätte für Lehrberufe wie Krankenschwester oder Einzelhandelskaufmann.

Den Gymnasien haftet in Bayern noch etwas Elitäres an. Kinder aus so genannten bildungsfernen Schichten schaffen den Übertritt nur, wenn sie schon in der Grundschule gute Leistungen bringen. „Wir versuchen immer wieder zu überprüfen, wie gut es gelungen ist, Grundkenntnisse zu verankern“, sagt Brigitte Waltenberger, Sprecherin des bayerischen Kultusministeriums. So droht am Ende nicht nur das Zentralabitur. Künftig sollen die Leistungen auch vermehrt mit Jahrgangsstufentests überprüft werden.

Nach Ansicht des Kultusministeriums ist nicht nur die Schulform für den Erfolg des Modells verantwortlich. Etwa zehn Prozent mehr Zeit hat ein bayerischer Schüler am Ende seiner Laufbahn länger in der Schule gesessen als seine Berliner Kollegen.

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