• Nicht einmal die Justizbehörden haben Mitleid mit Egon Krenz und Jürgen Schneider (Glosse)

Politik : Nicht einmal die Justizbehörden haben Mitleid mit Egon Krenz und Jürgen Schneider (Glosse)

bm

Es weihnachtet sehr, und der Christenheit wird es warm ums Herz. Ließe sich wohl noch irgend etwas Gutes tun, eine Geste finden für die verlorenen Seelen dort draußen im Lande? Ach, hartherzig sind die Justizbehörden, die überhaupt nicht daran denken, prominenten Häftlingen Rabatt zu gewähren oder auch nur einen bescheidenen Aufschub: Egon Krenz wird womöglich noch im Advent weggeschlossen auf neuneinhalb Quadratmetern, während allüberall draußen die Kerzen blinken. Kling, Glöckchen, klingelingeling, live gebrummt vom Männerchor der Justizvollzugsanstalt - keine fröhliche Perspektive. Und auch Jürgen Schneider, der größte Pleitier aller Zeiten, hat sich möglicherweise zu früh gefreut aufs Fest im Kreise seiner Lieben, denn den eifrigen Steuerfahndern ist schon wieder was aufgefallen. Es geht diesmal zwar nicht um 2 500 000 000 Mark, jene Summe, die Schneider in seinem wilden Immobilien-Kaufrausch versenkt hat, sondern nur um die Steuern auf eine 26-Millionen-Erbschaft, viele Nullen weniger. Steuerhinterziehung? Offenbar. Aber wer da hinterzogen hat, ist noch ein wenig unklar, da sich bei den Schneiders seltsame familiäre Hintergründe auftun. Hatte der Vater seinen Jürgen enterbt? Oder ließ der das Geld freiwillig seinen Geschwistern, weil er in der Kohle an sich keine Perspektive mehr sah? Die Familie hat wohl insgesamt unser Beileid verdient: Es muss schrecklich sein, wenn einen die Weltso mit Geld bewirft, dass kein Auto und keine Villa mehr hilft, sondern nur noch das Off-Shore-Konto. Das kann einem das schönste Fest kaputtmachen.

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