Politik : Nicht hip, aber nützlich

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Von Wolfgang Drechsler,

Kapstadt

Es ist das Lächeln, das Mpumelelo Qubile so sympathisch macht. Und die Demut, mit der sie dem Mann mit der blau getönten Sonnenbrille ihre Geschichte erzählt. Wie sich ihr Leben vor 18 Monaten veränderte, als sie bei einer Schwangerschaftsuntersuchung erfuhr, dass sie Aids hat. Und wie ihr heute ein Jahr alter Sohn Thomas sich bei der Geburt ebenfalls mit dem HI-Virus ansteckte, weil die südafrikanische Regierung sich weigerte, infizierten Schwangeren Medikamente zu verabreichen, die eine Ansteckung verhindern können.

Der Mann im olivgrünen Safarihemd, der dem kleinen Thomas gerade eine Gabel Maisbrei füttert, ist Bono, Sänger der irischen Rockband U2. Sein Besuch im Baragwanath-Krankenhaus von Johannesburg, dem größten Hospital in Afrika, wäre an sich nicht weiter erwähnenswert. Denn Bono setzt sich seit Jahren für Afrika ein. Ungewöhnlich wird sein Besuch durch die Präsenz eines älteren grauhaarigen Herren, des amerikanischen Finanzministers Paul O’Neill. Schon äußerlich könnte der Kontrast zwischen dem langjährigen Firmenboss, der heute die US-Staatskasse kontrolliert, und dem Rockstar kaum größer sein.

Seit fast einer Woche reist das „seltsame Paar“, wie die Presse die beiden getauft hat, nun bereits gemeinsam durch vier Länder Afrikas. Nach Ghana und Südafrika stehen in dieser Woche noch Uganda und Äthiopien auf der Reiseroute. Bono will den Trip nutzen, um dem Minister Aidskliniken und Krankenhäuser zu zeigen, aber auch Schulen, Kinderheime und andere Projekte, in denen Hilfsgelder aus dem Norden seiner Meinung nach gut angelegt sind.

„Eine Reise mit einem 66-jährigen Minister der Bush-Regierung ist nicht gerade hip“, kommentiert der 42-jährige Bono seine Tour mit dem Amerikaner. Aber Afrika werde am Ende davon profitieren. „Der Minister ist mit Sicherheit ein anderer Mensch, wenn wir nächste Woche wieder abreisen. Und er wird gesehen haben, wie unmittelbar sich Entscheidungen, die im fernen Washington gefällt werden, auf das Leben der Menschen in Afrika auswirken."

Die Reise der beiden macht deutlich, dass zunehmend Konsens darüber herrscht, wie wichtig die Bekämpfung von Armut, Krankheit, Hunger und Krieg in Afrika sind – und der Kampf nicht an ideologischen Differenzen scheitern darf. O´Neill betont denn auch unentwegt, dass die Amerikaner Afrika auch künftig helfen wollen. Aber er sagt auch, seine Regierung wolle jenen Ländern auf die Finger schauen, die das Leben ihrer Menschen nicht nachhaltig verbesserten und Hilfsgelder verschlampten. „Trotz der Milliardenhilfen des Westens gibt es in Afrika herzlich wenig Konkretes vorzuweisen, und das muss sich schleunigst ändern“, sagte O´Neill zum Reiseauftakt in Ghana.

Die Forderung des US-Finanzministers nach einem Ausbau des Welthandels und der Öffnung der Märkte klang angesichts der jüngst von seiner Regierung verhängten Schutzzölle freilich nicht besonders glaubwürdig. Besonders verärgert ist man in Afrika aber über ein neues Agrargesetz, das die Subventionen für Amerikas Getreide- und Milchfarmer drastisch erhöht. Als Zeichen guten Willens hat O’Neill jedoch Ghana 90 Millionen Dollar Altschulden erlassen. Für Bono ein hoffnungsvolles Signal. „Wenn die Menschen im Norden und Süden mutig genug sind, eine neue Partnerschaft einzugehen, kann das 21. Jahrhundert vielleicht doch zu einem afrikanischen werden.“

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