Politik : Nicht Kanzlerwahlverein, nicht neue Mitte Die SPD in NRW setzt eigene Akzente im Wahlkampf

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Von Jürgen Zurheide, Duisburg

In Nordrhein-Westfalen möchten sich die Sozialdemokraten nicht mehr ganz darauf verlassen, dass ihnen die Kampa, das Wahlkampf-Hauptquartier der Bundes-SPD, allein die Argumente liefert, um Siegesgewissheit und Geschlossenheit für die Bundestagswahl zu erzeugen. Deshalb setzt man eigene Akzente. Um die Genossen davon zu überzeugen, hat man sie am Sonntag nach Duisburg gerufen, und mehr als 1300 kamen. Zunächst kämpft Landeschef Harald Schartau gegen die Verzagtheit in den eigenen Reihen. Natürlich drücken die schlechten Umfragewerte auf die Stimmung, sitzt der Schock der Kölner Spendenaffäre tief. „Aber wir können umschalten“, ruft Schartau, „von Defensive auf Offensive.“ Und er zeigt, wo er die Akzente im Wahlkampf setzt. „Wir sind kein Kanzlerwahlverein“, sagt er. Mit dem Begriff der „neuen Mitte“ spielt er, um seine eigene Position davon abzugrenzen. Sozialer, so der Tenor von Schartaus Rede, müsse sich die SPD geben. Sein Vorgänger, SPD-Generalsekretär Franz Müntefering, schüttelt Schartau demonstrativ die Hand. „Gemeinsam können wir es schaffen“, sagt Müntefering, der weiß, dass die bisherige Wahlkampfstrategie nicht überall in der SPD gutgeheißen worden ist.

Auch Ministerpräsident Wolfgang Clement setzt Akzente. Mit Edmund Stoiber ist er bisher nach dem Eindruck vieler in der SPD zu zurückhaltend umgegangen. Nicht wenige erinnern sich an die gemeinsamen Fotos mit dem Bayern, den Clement als geistesverwandten Macher schätzt. Das will er nicht vergessen, doch zieht er eine Grenzlinie der Zusammenarbeit. „Stoibers Wahlkampfversprechen enthalten so viel heiße Luft, dass man damit Bayern inklusive der Alpen ein Jahr lang heizen könnte.“

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