Politik : Nicht mehr zu halten

Nach der heftigen Kritik am Krisenmanagement wechselt Bush den Leiter des Hilfseinsatzes aus

C. von Marschall[Washington],Ruth Ciesinger

Annähernd zwei Wochen nachdem Hurrikan „Katrina“ New Orleans und große Teile von Amerikas Golfküste zerstört hat, sieht Präsident George W. Bush sich zu ersten personellen Konsequenzen gezwungen, um der heftigen Kritik an Tempo und Ausmaß der Bundeshilfe zu begegnen. Erste Einheiten der Nationalgarde aus den betroffenen Staaten sind aus dem Irak zurückbeordert worden und in Louisiana eingetroffen. Immer wieder war gefragt worden, warum Tausende, die für die erste Phase des Katastrophenschutzes daheim eingeplant sind, mit ihrem Gerät im Irak kämpfen. Meldungen, wonach ein Airbus mit deutscher Nahrungsmittelhilfe für die Südküste unverrichteter Dinge habe zurückfliegen müssen und die US-Regierung ausländische Hilfe im Grunde nicht wünsche, erwiesen sich als irreführend.

Bush entband den Leiter der Katastrophenschutzbehörde Fema, Michael Brown, von der Leitung des Hilfseinsatzes. Wie schon in ähnlichen Fällen zuvor entließ der Präsident Brown aber nicht auch als Fema-Chef, sondern beorderte ihn lediglich nach Washington zurück. Dort soll Brown, der offenbar über persönliche Kontakte in das Amt gekommen war, weiter der Behörde vorstehen. Neuer Einsatzleiter im Notstandsgebiet ist Thad Allen, Vizeadmiral der Küstenwache, der bereits praktische Erfahrung mit solchen Ausnahmesituationen hat. Unter anderem war er am Katastrophenmanagement nach den Anschlägen vom 11. September 2001 beteiligt.

Die „Washington Post“, die „New York Times“ und das „Time Magazin“ hatten berichtet, dass insgesamt fünf von acht Angehörigen der Fema-Leitungsebene, darunter Brown, ihre Posten unter Bush bekommen hatten, obwohl sie keine Erfahrung im Umgang mit Notstandssituationen und nie Hilfseinsätze größeren Ausmaßes geleitet hatten. Sie seien wohl eher wegen ihrer Beiträge zu Bushs Wahlkampf ausgewählt worden, hieß es.

Verwirrung lösten am Wochenende Nachrichten aus, das amerikanische Agrarministerium habe einem deutschen Airbus mit Notrationen – das US-Kürzel lautet MRE (Meals Ready to Eat), das deutsche Epa (Einmannpackung) – die Einreise wegen BSE-Bedenken untersagt und das bereits angereiste Flugzeug nach Deutschland zurückgeschickt. Die Intonierung der Meldungen, Bush wolle peinliche Bilder von Lebensmittelhilfe aus Europa vermeiden, steht in scharfem Kontrast zu Darstellungen der deutschen Botschaft in Washington und des US-Außenministeriums. Dort heißt es übereinstimmend, ausländische Hilfe sei äußerst willkommen, kein Angebot werde abgelehnt. Nur dauere die Prüfung, wo welche Hilfe sinnvoll sei, in manchen Fällen länger. In einer Pressekonferenz hatte der Koordinator des US-Außenministeriums die 45 Tonnen deutschen MREs als besonders nützliche Soforthilfe gelobt. Die Bundeswehr verfügt aufgrund der langen Zusammenarbeit über eine permanente Landegenehmigung in Pensacola, Florida. Das Technische Hilfswerk (THW) baut gerade Hochgeschwindigkeitspumpen in New Orleans auf.

Ein deutscher Regierungssprecher bestätigte dem Tagesspiegel, dass Airbusse mit je 15 Tonnen MREs am 3., 4. und 6. September in Florida gelandet seien. Vor dem Start eines vierten am 8. September habe das US-Agrarministerium Bedenken angemeldet unter Berufung auf eine Verordnung aus Hoch-Zeiten der BSE-Krise. Daraufhin sei die Maschine nicht gestartet, jedoch hätten US-Behörden die Verordnung inzwischen aufgehoben.

Nach Angaben der deutschen Botschaft gibt es keine deutschen Opfer. Rund 10000 Deutsche seien ihr in der Hurrikanregion bekannt, zu allen bis auf ganz wenige Fälle habe sie Kontakt. Briten und Franzosen haben Opfer zu beklagen.

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