Politik : Nicht nur in Afrika

Wirtschaftsinitiativen ausgezeichnet / Osteuropa verdrängt Gefahr

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Berlin (ded/lem/uls). In Berlin sind am Mittwochabend fünf Unternehmen ausgezeichnet worden, die sich in besonderer Weise dem Kampf gegen Aids in Entwicklungsländern widmen. Zu den Preisträgern gehörten unter anderem CocaCola Ägypten und Siemens. Sie versorgen erkrankte Mitarbeiter mit Medikamenten, klären in eigenen Kampagnen über die Gefahren des Virus auf und beziehen dabei meist auch die Gemeinden an ihren Standorten ein. Beinah 140, meist international tätige Unternehmen haben sich zu der „Global Business Coalition on HIV/Aids“ zusammengeschlossen, darunter auch Microsoft, Bayer und Daimler-Chrysler.

„Die Regierungen in den entsprechenden Ländern müssen sich zu dem Problem bekennen“, sagte Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp am Mittwoch in Berlin. Schrempp ist Vorsitzender der Unternehmensvereinigung. Am Mittwoch gab er allerdings seinen Rücktritt bekannt und nannte Mark Moody-Stuart, Chef der Bergbaufirma Anglo American, als seinen Nachfolger.

Insgesamt sind weltweit rund 40 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, 14 000 stecken sich täglich neu an und knapp 9000 sterben. 30 Millionen Infizierte leben allein in Afrika südlich der Sahara. Hinter dem Engagement der Unternehmen stehen außer sozialen auch wirtschaftliche Überlegungen, denn die Betriebe verlieren durch Aids viele qualifizierte Mitarbeiter. „Trotzdem stehen wir erst am Anfang“, sagte Schrempp, denn die Statistiken zeigten weltweit einen Anstieg der Neuinfektionen. Peter Piot, geschäftsführender Direktor von UNAIDS verwies am Mittwoch in Berlin darauf, dass vor allem in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion das Problem von den Regierungen totgeschwiegen werde. Auch Asien verdränge die Krankheit. Zugleich würden aber weltweit immer mehr Mittel zur Bekämpfung der Epidemie bereitgestellt. 300 Millionen Euro kommen vom deutschen Entwcklungsministerium. Piot erwartet, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis die Zahl der Neuinfektionen wieder zurückgeht.

Außerhalb Afrikas sind besonders die baltischen Staaten, die Ukraine, Russland und die zentralasiatischen Staaten betroffen. In einem Zeitraum von weniger als acht Jahren ist die Zahl der Neuinfektionen dort um das Fünfzigfache gestiegen. In einzelnen Ländern ist ein Punkt erreicht, an dem sich Südafrika 1990 befand: 80 Prozent der Betroffenen sind jünger als 30 Jahre.

Beim „Awards Dinner“ der Unternehmensvereinigung am Mittwochabend in Berlin lobte Bundeskanzler Gerhard Schröder die Initiative der Wirtschaft. Die betroffenen Menschen und Länder dürften im Kampf gegen die Seuche nicht allein gelassen werden. „Wenn wir das Elend dieser Krankheit überwinden wollen, müssen wir einen umfassenden Ansatz verfolgen“, sagte der Kanzler.

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