• Nicht ohne den Osten -An der Parteispitze ist niemand mehr aus den neuen Bundesländern. Doch zum Überleben brauchen die Grünen die dortigen Wählerstimmen

Politik : Nicht ohne den Osten -An der Parteispitze ist niemand mehr aus den neuen Bundesländern. Doch zum Überleben brauchen die Grünen die dortigen Wählerstimmen

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Ganz gleich, ob die Grünen ihre Organisationsstruktur ändern oder nicht - eines steht fest: Nach dem Rückzug der Sächsin Gunda Röstel ist kein Politiker aus den neuen Bundesländern absehbar, der an die Spitze der Partei treten könnte. Zwar steht das "Bündnis 90" noch ganz vorn im offiziellen Namen, aber in der Wirklichkeit rangiert der Osten ganz hinten. In keinem Landtag sind sie mehr vertreten. Einen lauten Ruf nach einer "Ostquote" aber gibt es nicht. Zu frisch ist die Erfahrung mit Röstel, die viel guten Willen gezeigt hat, aber am Ende überfordert war. Die alte Generation der Bürgerrechtler hat sich von der Partei abgewandt. Die jüngeren Grünen im Bundestag möchten als Politiker ernst genommen werden, keine Quoten-Ossis sein.

Werner Schulz, einer der Veteranen, ist frustriert, seit er den Sprung an die Fraktionsspitze nicht schaffte und als Wirtschaftsexperte eher unauffällig. Nach vorn drängen jüngere Frauen wie die Sächsin Antje Hermenau, die sich als Haushaltspolitikerin profiliert, oder auch Kathrin Göring-Eckardt aus Thüringen, die im Fraktionsvorstand für Sozialpolitik verantwortlich ist. "Ohne Osten ist die Fünf-Prozent-Quote bei der nächsten Bundestagswahl nicht zu schaffen", weiß sie und weiß auch, wie schwer das wird, weil die Landesverbände aus eigener Kraft kaum auf die Beine kommen können. Sie setzt daher auf die Bundespolitik. Ökologie? Da habe sich so vieles verbessert seit der Wende. Deshalb müssten sich die Grünen hier, aber auch im Westen stärker als Partei der künftigen Generationen profilieren, Themen wie Arbeitslosigkeit und Altersversorgung anpacken. Aber auch das scheinbar wenig prickelnde Parteitagsthema "Strukturreform" hält Göring-Eckhard gerade im Osten für wichtig - wenigstens seine Folgen, denn: "Die organisierte Verantwortungslosigkeit muss endlich aufhören. Auch mit Begriffen wie Diskussionskultur können die Menschen nichts anfangen. Sie wollen Professionalität und Ergebnis."

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