Politik : Nicht ohne meine Oma

Shell-Studie: Deutschlands Jugend überträgt die Werte ihrer Großeltern in die Welt von heute – mit Handy und Internet

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Von Anja Kühne

Die deutsche Jugend mag „lustige Schlager und Volkslieder". Den Inbegriff von individueller Freiheit sieht sie in „Motorfahrzeugen". Das fand die erste Shell-Jugendstudie vor 50 Jahren heraus. Natürlich schwören die heutigen Jugendlichen auf Techno-Musik, und zu ihrem Freiheitsgefühl gehören das Handy und das Internet. Aber nicht alles hat sich geändert. Junge Leute finden ein „tolles Aussehen" immer noch so wichtig wie damals. Und die heutigen 12- bis 25-Jährigen schätzen auch alte Sekundärtugenden wie Fleiß, Ehrgeiz und Treue, wie die 14. Shell-Studie zeigt. „Jugendliche haben diese altbürgerlichen Prinzipien jedoch von ihrem Staub befreit", sagen die Autoren, die Bielefelder Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann und Mathias Albert. Gemeinsam mit dem Münchener Forschungsinstitut Infratest haben sie 2500 Jugendliche im Alter von 12 bis 25 nach ihren Wertvorstellungen gefragt.

Die Jugend verbindet alte Werte wie Fleiß, Ordnung und Sicherheit mit modernen wie Kreativität und Toleranz „zu einer neuen Synergie", wie die Forscher feststellen. Die Jugendlichen sehen zwar die Risiken, die die offene Gesellschaft und die Globalisierung mit sich bringen. Doch sie reagieren darauf optimistisch und mit Leistungsbereitschaft. Die meisten Jugendlichen wünschen sich vor allem, Karriere und Familie später unter einen Hut bringen zu können. 75 Prozent der weiblichen und 65 Prozent der männlichen Befragten meinen, eine Familie zum „Glücklichsein" zu brauchen. Über zwei Drittel der Jugendlichen wollen später eigene Kinder haben. Bei den Erziehungsmethoden wollen sich 70 Prozent an dem Erziehungsstil ihrer Eltern orientieren. 90 Prozent sagen, dass sie gut mit ihren Eltern zurechtkommen.

Nur noch 34 Prozent der Jugendlichen bezeichnen sich als politisch interessiert. 52 Prozent der Jugendlichen in den neuen Bundesländern sind kritisch gegenüber der demokratischen Praxis eingestellt, im Westen sind es 27 Prozent. Nur 35 Prozent sagen, sie würden bei der nächsten Bundestagswahl ihre Stimme abgeben. Eher mäßig, aber höher als in die Parteien, ist das Vertrauen der Jugendlichen in die Regierung, die Kirchen oder Bürgerinitiativen. Nur ein kleiner Teil der Jugendlichen neigt jedoch zu politischem Radikalismus, stellen die Forscher fest. Darunter sind besonders solche, die sich den Leistungsanforderungen der Gesellschaft nicht gewachsen sehen.

Die Shell-Jugendstudie zeigt, dass das Bildungsniveau in Deutschland in hohem Maße von der Herkunft bestimmt ist. Bei drei Viertel der Abiturienten haben auch die Väter Abitur.

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