Politik : Nicht preiswürdig

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Seit Mitte dieser Woche wissen wir, dass Gerhard Schröder und George W. Bush sich wieder vertragen. Das ist gut so. Wir erinnern uns: Gestritten hatten sie, ein gutes Jahr lang, über den Irak-Krieg. Nun gibt es viele Untersuchungen über die Berichterstattung zum Feldzug Amerikas gegen Saddam Hussein, und die Ergebnisse sind schon interessant. Ein seit langem in den USA lebender Deutscher berichtete jüngst in Berlin: Hätten die USA die Zeitungen Deutschlands und die Bundesbürger die Zeitungen Amerikas gehabt, dann wären die Amerikaner gegen den Krieg und die Deutschen für den Waffengang gewesen. So unterschiedlich sei in beiden Staaten mit den Begründungen für die Notwendigkeit des Krieges umgegangen worden. So weit die Zeitungen. Was das deutsche Fernsehen und seine Irak-Berichterstattung anbelangt, hat sich die Bonner Einrichtung „Medien Tenor“ um eine Auswertung gekümmert. Üblicherweise vergibt „Medien Tenor“ einen Preis für die vielfältigste deutsche TV-Nachrichtensendung.

Nicht so dieses Jahr. Es habe sich einfach keine preiswürdige Sendung finden lassen, erklärt Markus Rettich, der bei „Medien Tenor“ für Politisches zuständig ist. „Wer mit Infotainment des Grauens Quote machen will, hat keinen Preis für journalistische Vielfalt verdient“, lautet das harsche Fazit Rettichs. Die deutschen Fernseh-Nachrichten hätten dem internationalen Vergleich nicht standgehalten. Dies gelte für öffentlich-rechtliche wie für private Sender. Da hat also „Görhard Schreuder“, wie Bush ihn nennt, sich mit dem US-Präsidenten wieder vertragen. Mit dem deutschen Fernsehen aber lebt George W. Bush weiter im Kriegszustand.

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