Politik : Nicht sauber genug

Ex-Polizeichef Kerik zieht Kandidatur als US-Heimatschutzminister zurück

Malte Lehming[Washington]

Für die Bekanntgabe von Misslichkeiten gilt im Weißen Haus eine Regel: Falls möglich, soll dies am Freitagabend gegen 22 Uhr geschehen. Dann schafft es die Nachricht noch als kurze Meldung in viele Zeitungen, doch für die wichtigsten TV-Politmagazine ist es zu spät. Am nächsten Tag beginnt das Wochenende, an dem Skandale sich nicht gut entfalten können. Und bis zum Montag könnte die Geschichte schon wieder vergessen sein. Meistens gelingt diese Strategie.

Bernard Kerik, der ehemalige Polizeichef von New York, sollte der neue Heimatschutzminister werden, verantwortlich für mehr als 180 000 Angestellte. Den bulligen Mann mit der schillernden Biographie hatte Präsident George W. Bush auf Empfehlung von New Yorks Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani nominiert. Am Freitag kurz nach 22 Uhr zog Kerik seine Kandidatur zurück. Eine Putzfrauen-Affäre wurde als Grund genannt. Bei Durchsicht seiner Unterlagen will der 49-Jährige festgestellt haben, die Tätigkeiten einer Haushälterin nicht versteuert zu haben. Das stimmt wohl, ist aber gleichzeitig ein Vorwand.

Keriks Leben ist reich an Abenteuern, Brüchen, Unsauberkeiten. Immer mehr Details davon kamen in den vergangenen Tagen ans Licht. Seine Mutter – eine vorbestrafte Prostituierte, die ermordet wurde – hat er nie kennen gelernt. Die Schule hat der „Bernie“ genannte Junge oft geschwänzt. Seinen Hauptschulabschluss hat er später nachgeholt. Er ging zur Armee, diente in Korea, arbeitete als privater Sicherheitsbeamter in Saudi-Arabien. Dann wurde er Gefängnisaufseher, lernte Giuliani kennen, wurde dessen Chauffeur und Bodyguard, zum Dank beförderte ihn der spätere Bürgermeister, Stufe um Stufe, bis an die Spitze der New Yorker Polizei. Eine ungewöhnliche Karriere, für deren Verfilmung die Firma „Miramax“ schon die Rechte erworben hatte.

Doch Keriks Integrität hielt offenbar nicht mit seinem rasanten Aufstieg mit. Für das Verfassen seiner Biografie ließ er einen Untergebenen recherchieren. Dafür wurde er von einem Gericht bestraft. Besonders anrüchig waren Keriks Geschäfte, nachdem er vor drei Jahren den Polizeidienst quittiert hatte. Unter anderem saß er im Vorstand der Firma Taser. Das Unternehmen stellt Elektroschock-Waffen her und macht Geschäfte mit dem Heimatschutzministerium. Kurz bevor durchsickerte, dass einige der Taser-Produkte unsicher sind, verkaufte Kerik seine Aktien und verdiente mehrere Millionen Dollar. Beteiligt war er auch an einer Beraterfirma von Giuliani, die ebenfalls auf Innere Sicherheit und Heimatschutz spezialisiert ist. Am Ende nun stolperte Kerik über eine Putzfrauen-Affäre. Fast möchte man sagen: Glück gehabt.

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