Politik : Nicht vom Himmel gefallen

OZONLOCH SCHRUMPFT

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Von Paul Janositz

Der Weltuntergang kann warten. Satelliten haben es gemessen, amerikanische Forscher haben die Daten ausgewertet: Der Abbau der Ozonschicht, die das Leben auf der Erde schützt, wird langsam gestoppt. In einigen Jahrzehnten dürfte sich das bedrohliche Ozonloch wieder schließen.

Das ist eine überraschend positive Wendung. Jahrelang war Ozon ein Synonym für immer neue Schreckensmeldungen gewesen. Der Schutzschild über den Polen wurde demnach immer löchriger. Ultraviolette Strahlen aus dem All schlugen ungebremst auf die Haut sonnenhungriger Menschen auf. Das Risiko für Hautkrebs und Augenerkrankungen nahm dramatisch zu. An diesem Szenario hat sich nichts geändert – bis auf den Schlussakt. Der muss jetzt neu geschrieben werden. Die Tragödie wandelt sich: zwar nicht zur Komödie, aber wohl doch zu einem Stück mit Happy End.

Wann sich das Ozonloch wieder schließen wird, steht noch nicht genau fest, doch spätestens in 50 Jahren dürfte es soweit sein. Das sagt Paul Crutzen, Forscher am MaxPlanck-Institut für Chemie in Mainz. Und keiner ist kompetenter als der Nobelpreisträger von 1995. Ihm ist es gelungen, das Drehbuch des Dramas offen zu legen, das sich in mehr als 10 000 Metern Höhe abspielte. Als Hauptschuldige entlarvte er Chlor und Brom. Diese aggressiven Atome waren in Treibgasen, Kühl- und Feuerlöschmitteln enthalten.

Auf diese Fluorkohlenwasserstoffe (FCKW) waren die Chemiker früher einmal besonders stolz gewesen, denn sie waren unbrennbar. Die Folgen ahnte lange Zeit niemand, bis vor 18 Jahren das erste Kapitel des späteren Weltbestsellers „Ozonloch“ im Fachmagazin „Nature“ erschien. Die FCKW sind so stabil, dass sie in der Atmosphäre unzersetzt aufsteigen und das Ozon zerstören konnten.

Das Phänomen wurde teilweise belächelt, die Dramatik nicht erkannt. Erst als der Verlust am Himmel ganze Länder bedrohte, wurden die Spötter leiser – und die Forderung nach einem Verbot von FCKW lauter. Das Erstaunliche geschah. 1987, im Protokoll von Montreal, beschloss die Weltgemeinschaft, den schrittweisen Ausstieg aus den FCKW. Bis 1996 mussten Industrieländer die Produktion stoppen, Entwicklungsländer 15 Jahre später.

Heute kann die Vereinbarung als beispielhaft gelten. Nicht nur wegen des sich abzeichnenden Erfolgs. Auch wegen der großenteils freiwilligen Bereitschaft der Industrie, die Produktion von FCKW einzustellen und Ersatzstoffe zu finden. Und warum sollte bei der Lösung ökologischer Probleme nicht auch künftig die besondere Situation der Entwicklungsländer angemessen berücksichtigt werden?

Doch offenbar lässt sich das Rezept nicht so leicht auf andere ökologische Probleme übertragen. Das Kyoto-Protokoll von 1997, das den Ausstoß von Treibhausgasen, vor allem von Kohlendioxid, zurückdrängen sollte, musste zu viele Kompromisse verkraften. Dabei wäre es auch für die Ozonschicht nützlich, wenn weniger klimaschädliche Gase in die Atmosphäre gelangen. Treibhausgase schaden auch der Ozonschicht. Allerdings nicht so sehr, dass sie den neuen Trend zur Schließung des Ozonlochs aufhalten. Internationaler Umweltschutz kann funktionieren. Ist das nicht Grund genug für ein bisschen Jubel?

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