Nichtraucherschutz : Bätzing will Rauchverbot in Gaststätten

Sabine Bätzing, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, will einen bundesweit einheitlichen Nichtraucherschutz ohne Ausnahmen in Gaststätten. Bei der Umsetzung hofft sie auf die nächste Legislaturperiode.

Berlin -  „Damit schaffen wir eine höhere gesellschaftliche Akzeptanz und gleiche ökonomische Bedingungen für Gastronomen“, sagte Bätzing. Ein komplettes Rauchverbot in allen öffentlichen Räumen sei dagegen nicht ihr Ziel. „Da haben wir schon einen Meilenstein erreicht.“ Anlass war die Vorstellung des ersten Tabakatlas für Deutschland, herausgegeben vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit und dem Robert-Koch-Institut.

„Mit dem Tabakatlas liefern wir der Politik nun die erforderlichen Maßnahmen zu einem einheitlichen Nichtraucherschutz auf dem Silbertablett“, sagte Bätzing. Sie sehe eine große Chance, das Aktionsprogramm mit der nächsten Legislaturperiode umzusetzen. Eine Erhöhung der Tabaksteuer befürworte sie nicht. „Wir konzentrieren uns auf Tabakwerbeverbote, bildliche Warnhinweise auf Packungen und Entwöhnungsangebote.“

Nach den Erkenntnissen der Experten rauchen im Norden mehr Menschen als im Süden – und es sterben damit auch mehr an den Folgen. Konkret heißt das: In Berlin, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern ist das Rauchen überdurchschnittlich hoch. „Südliche Länder sind wohlhabender und haben weniger sozial Schwache, die verstärkt zur Zigarette greifen“, erklärt Martine Pötschke-Langer, WHO- Expertin für Krebsprävention und verantwortlich für den Tabakatlas. Dieser soll ein Handbuch sein im Kampf gegen den Tabakkonsum. Siegfried Ermer, Vorsitzender des Vereins Pro Rauchfrei e.V. kritisierte Bätzings Vorgehen im Kampf gegen das Rauchen. „Ich sehe in dem Atlas ein Ablenkungsmanöver, um aktives Handeln für den Nichtraucherschutz vorzutäuschen.“ Der Drogenbeauftragten fehle der Mut, sich für ein totales Rauchverbot auszusprechen. „Da will jemand sein Gewissen beruhigen.“sdw

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