Nichtraucherschutz : Rauchverbot in Bayern soll gelockert werden

Noch hat Bayern das strikteste Nichtraucherschutzgesetz. Jetzt kündigt der designierte Ministerpräsident Horst Seehofer an, das Rauchverbot lockern zu wollen. Bald könnte also wieder blauer Dunst durch bayerische Kneipen ziehen.

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In Bayern könnte bald wieder Qualm durch die Kneipen ziehen. -Foto: dpa

MünchenIn bayerischen Bierzelten und Gaststätten mit Nebenräumen darf voraussichtlich künftig wieder geraucht werden. Der designierte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hält entsprechende Änderungen am umstrittenen Nichtraucherschutzgesetz für notwendig. Der Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur begrüßte am Donnerstag den Vorstoß.

"Dort, wo die Menschen ihre Freizeit verbringen, in einem Bierzelt oder in einer Gastwirtschaft, müssen wir uns eine neue Lösung überlegen", sagte der amtierende Bundesverbraucher- und frühere Gesundheitsminister dem Bayerischen Rundfunk. "Das mit dem Rauchverbot ist in der Tat, jedenfalls mit großer Mehrheit in der Bevölkerung, als Verletzung dieses Grundsatzes 'Leben und Leben lassen' gesehen worden." Keine Änderungen soll es dagegen bei öffentlichen Gebäuden wie Behörden oder Krankenhäusern sowie bei Flugzeugen und Zügen geben.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte der "Bild"-Zeitung: "In Sachen Rauchverbot sind wir wohl in den Augen vieler Mitbürger über das Ziel hinausgeschossen." Zwar sollte zum Schutz von Familien das strikte Rauchverbot in Speisegaststätten aufrecht erhalten werden. Aber bei Lokalen mit abgeschlossenen Nebenräumen "sollten wir Rauchen wieder zulassen", fügte Herrmann hinzu.

Einraumgaststätten sollen selbst entscheiden

Der Landesgeschäftsführer des Vereins zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur, Heinrich Kohlhuber, sagte dem Radiosender Antenne Bayern: "Wir haben fast unser Ziel erreicht und sind kurz davor, dass wir wieder leben und leben lassen in Bayern." Er könne sich eine Regelung vorstellen, bei der Einraumgaststätten mit einer Größe von weniger als 100 Quadratmetern selbst entscheiden, ob bei ihnen geraucht werden darf. Dies müsse dann mit einem Schild am Eingang kenntlich gemacht werden.

Der Verein wertet laut Kohlhuber das schlechte Ergebnis der CSU bei der Landtagswahl als klares Signal gegen das strenge Rauchverbot. "Scheinbar hatte die CSU das Ohr nicht beim Bürger", sagte er. Kohlhuber bot der neuen Staatsregierung die Zusammenarbeit an: "Ich hoffe, dass sich die Herrschaften an unsere Forderungen vom letzten Jahr erinnern und wir jetzt gemeinsam ein Gesetz machen, das passt."

Scharfe Kritik kam von der Nichtraucher-Initiative München. Deren Vorsitzender Ernst-Günther Krause sagte, Seehofer handele nach dem Grundsatz "Sterben und sterben lassen". Der künftige Ministerpräsident missachte völlig die Freiheit der Nichtraucher. Krause nannte das Vorgehen Seehofers eine "Panikreaktion" auf das Debakel der CSU bei der Landtagswahl. (nis/ddp/dpa)

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