Politik : Nie wieder dieselbe Bundesliga

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Ja, gut: Vor der WM ist vor der WM, und nach der WM ist vor der WM. Das ist das Basiswissen des Fußball- fans, der vermutlich auch zustimmt, wenn wir ihm zurufen: Nach der WM wird die Bundesliga nicht mehr dieselbe sein. Derlei Weisheiten beziehen ihre Wahrhaftigkeit aus der Tatsache, dass sie unmöglich widerlegbar sind, nicht einmal, wenn Peter Sloterdijk und Roger Willemsen einstimmig das Gegenteil behaupten.

Zumal die Bundesliga offenbar vor dem Verkauf steht. Es verdichten sich die Informationen, dass das Gerangel um die Namensrechte zwischen Telekom und Postbank zugunsten der Bank entschieden sei: Willkommen bei der Postbank-Liga!

Solche Geschäfte leben davon, dass der Name nicht nur irgendwo im Vertrag steht, sondern auch benutzt wird. „Der Tabellenvierte der Fußball …, äh, Postbank-Liga“, das machen Reporter nicht lange mit, sondern entscheiden sich dafür oder dagegen. Der Namensgeber muss also nachsetzen, so, wie einst Berti Vogts Geoff Hurst hinterher rannte. Sonst hält sich eine Minderheit wie jene, die die AOL-Arena stur Volksparkstadion nennt und damit eine Millioneninvestition gefährdet.

Die Frage ist: Hält die Bundesliga das aus? Vermutlich wird Olli Kahn mit ein wenig Training verhindern können, dass er bei seinen Paraden ewig gegen die Geldautomaten knallt, die der Sponsor im Strafraum montiert hat; er gewinnt ja viel Zeit durch die neue Regel, dass der Torschütze einem Schiedsrichterassistenten die TAN und dem anderen die PIN nennen muss, bevor er abziehen darf. Steht allerdings noch eine Seniorin dazwischen, die zehn D-Mark von einem alten Postsparbuch abheben will, drückt das stark aufs Tempo des Spiels. Viele Spieler werden sich auch kaum damit abfinden, dass die drei Siegpunkte nach Abzug von Bearbeitungsgebühr und Risikopauschale nur noch effektiv 2,37 Punkte wert sind.

Viel Unsicherheit also vor dem großen Deal. Doch die Werbung lohnt sich. „Postbank?“, werden die Menschen fragen, „hieß das nicht früher Strafbank?“ Und erfahren, dass es sich vielmehr um ein Institut handelt, das gegen kleine Gebühr für sie risikoarm sämtliche Geldgeschäfte abwickelt. Hei, da werden die Sparstrümpfe fliegen und die Lohntüten platzen, da werden mürbe Geldscheine aus Matratzen gepfriemelt und die Pfennige für den Brautschuh durchgezählt. Eine Bank! Und dafür hätte sich der Rummel ja allemal gelohnt.

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