Niederlande : Mit "Fitna“ zum Volk

Dank seines Anti-Islam-Films spielt der Rechtspopulist Geert Wilders jetzt eine Hauptrolle – in der Politik. Er hat die perfekte Marketingstrategie entwickelt - über seine kleine Partei wird in aller Welt berichtet.

Ruth Reichstein[Den Haag]
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Im Fokus der Aufmerksamkeit. Geert Wilders wird in Den Haag von Journalisten interviewt. -Foto: dpa

Für Geert Wilders ist sein Anti-Islam- Film „Fitna“ ein voller Erfolg. Obwohl der niederländische Rechtspopulist mit seiner Freiheitspartei nur über neun von rund 150 Sitzen im Den Haager Parlament verfügt, hat es der 44 Jahre alte Politiker geschafft, dass die Medien in aller Welt über ihn und seine Ansichten berichten – spätestens seit der Veröffentlichung des Films im Internet am späten Donnerstagabend. Aber schon seit Dezember ist der Film ein Thema im In- und Ausland: „Wilders hat eine perfekte Marketing-Strategie entwickelt“, sagt André Krouwel, Sozialwissenschaftler an der Freien Universität von Amsterdam.

In den Niederlanden gab es in der Nacht zum Samstag einen ersten Zwischenfall. In Utrecht gingen zwei Autos in Flammen auf. Die Polizei entdeckte in der Nähe des Tatorts ein Graffito, das zum Mord an Wilders aufrief. In Pakistan wurden auf einer Demonstration europäische Flaggen und eine Wilders-Puppe verbrannt. Der britische Internetanbieter liveleak.com hat den Film mittlerweile von seiner Seite entfernen lassen. Mitarbeiter seien ernsthaft bedroht worden, gab der Anbieter als Begründung an.

In Deutschland fallen die Reaktionen gemischt aus: Der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime in Deutschland, Ali Kizilkaya, rief zu einem „gelassenen Umgang“ mit dem Film auf. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, verlangte dagegen ein Verbot des Films auch im Internet. „DieGrenze der Meinungsfreiheit ist mit diesem Film überschritten“, sagte er der „Frankfurter Rundschau“. Die Islam-Beauftragte der SPD-Fraktion im Bundestag, Lale Akgün, sprach sich aber gegen ein Verbot aus: „Damit werten wir ein billiges Propagandafilmchen nur auf.“

Wie schon mehrere islamische Staaten zuvor verurteilten gestern auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Singapur den Film als „eine Beleidigung für die Muslime“. Der Generalsekretär der Organisation der Islamischen Konferenz, Ekmeleddin Ihsanoglu, sagte in Damaskus, „Fitna“ sei genau wie die dänischen Mohammed- Karikaturen „Teil einer Kampagne gegen den Islam und die Muslime im Westen“.

„Die Aufregung um den Film steht in keinem Verhältnis zum Einfluss Wilders in den Niederlanden“, meint der Sozialwissenschaftler Krouwel. „Er wird vielleicht bei der nächsten Wahl ein paar Stimmen mehr bekommen, aber er und seine Partei werden immer marginal bleiben.“ Wilders ist zwar ein Mann der starken Parolen, aber konstruktive Vorschläge, wie mit der Integration von Einwanderern umgegangen werden soll, macht der Politiker nicht. Sein Programm bezeichnet er selbst als „liberalen Dschihad“ gegen den Islam. So verglich er vor einigen Monaten den Koran mit Hitlers „Mein Kampf“ und sprach sich für ein generelles Verbot von Moscheen in den Niederlanden aus. Bisher stießen solche Äußerungen auf eine breite Ablehnung in den Niederlanden.

Allerdings bekommt Wilders, der schon über 40 Mal Israel besucht hat, jetzt Unterstützung von bekannten niederländischen Persönlichkeiten: Die jetzt in den USA lebende Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali schrieb in der Zeitung „de Volkskrant“, die Meinungsfreiheit sei bei der Regierung von Jan Peter Balkenende nicht in guten Händen, der Wilders von der Veröffentlichung seines Films abzuhalten versuchte. Der vom islamischen Glauben abgefallene Nachwuchspolitiker Eshan Jami plant schon einen Zeichentrickfilm über Mohammed. Der aus dem Iran stammende Jami hat bereits einen Auszug gezeigt, in dem sich der Prophet in einer erotischen Szene seiner nach der Überlieferung neunjährigen Frau Aisha nähert.

Wie heftig die Auswirkungen der Anti- Islam-Hetze tatsächlich sein werden, wird sich wohl erst in den kommenden Wochen zeigen. So heißt es auf der extremistischen Internetseite Al Ekhlaas aus der jordanischen Hauptstadt Amman bereits, der Film unterstütze den Dschihad.

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