Niedersachsen : Aygül Özkan: Karriere vor Migrationshintergrund

Aygül Özkan, die künftige Ministerin für Soziales, Familie und Integration in Niedersachsen, ist die erste deutsche Ministerin mit Migrationshintergrund. Die 38-jährige Juristin hat türkische Eltern und ist Muslimin.

Klaus Wallbaum
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Hannover - „Mir ist klar, dass ich eine Vorbildrolle spiele.“ Aygül Özkan, die künftige Ministerin für Soziales, Familie und Integration in Niedersachsen, ist sich der Besonderheit ihrer neuen Aufgabe durchaus bewusst. Denn die 38-jährige Juristin mit türkischen Eltern und einem türkischen Namen ist die erste deutsche Ministerin mit Migrationshintergrund.

Özkan kam 1971 in Hamburg zur Welt. Ihre Eltern waren in den sechziger Jahren als sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland gekommen, der Vater arbeitete als Schneider. Die kleine Aygül kam mit drei Jahren in den Kindergarten, lernte so rasch die deutsche Sprache und ist selbst ein Vorbild für eine gelungene Integration. Sie besuchte das Gymnasium, studierte Jura mit dem Schwerpunkt Europa- und Wirtschaftsrecht. Seit 1998 ist sie Rechtsanwältin in Hamburg. Sie wohnt bisher in Lokstedt, ist seit 1993 mit einem türkischstämmigen Mann verheiratet und Mutter eines siebenjährigen Sohnes.

Özkan ist schiitische Muslimin, aber nach ihren eigenen Worten wegen des „C“ im Parteinamen zur CDU gekommen – weil ihr die christlichen Werte wichtig sind. Vom Hamburger Bürgermeister Ole von Beust wurde sie für die Politik entdeckt, 2008 wurde sie gar Vize-Landesvorsitzende der Hamburger CDU – als „neue starke Frau der Hamburger CDU“ und „Politrakete“ wurde sie damals bezeichnet. Der Hamburger Bürgerschaft gehört sie bislang noch an, aber weil das Mandat dort ein Ehrenamt ist, verdiente sie ihr Geld mit ihrer Tätigkeit als Leiterin der Hamburger Niederlassung des Logistikunternehmens TNT.

Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) will mit ihrer Benennung als Ministerin ein Signal setzen – wegen des Bevölkerungsrückgangs in Deutschland, der sich im Osten und Süden Niedersachsens besonders stark bemerkbar macht, sind mehr Zuwanderer für Führungsfunktionen in der Gesellschaft unerlässlich. Gerade in konservativen Gegenden des Landes aber gibt es noch Vorbehalte gegenüber Migranten. Özkan soll helfen, diese abzubauen – und die CDU für Migranten attraktiver zu machen. Wie auch Wulff selbst, der sich damit demonstrativ als einer empfiehlt, der die Partei für neue Themen und Gruppen öffnet. Klaus Wallbaum

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