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Niedersachsen : Stephan Weil ist neuer Ministerpräsident

Zügig, geräuschlos, harmonisch - so haben sich SPD und Grüne in Niedersachsen auf eine Regierungskoalition geeinigt. Heute haben die Parteien eine weitere Hürde genommen: Stephan Weil (SPD) ist zum Ministerpräsidenten gewählt worden - mit knapper Mehrheit.

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Stephan Weil (SPD) ist neuer Ministerpräsident in Niedersachsen.
Stephan Weil (SPD) ist neuer Ministerpräsident in Niedersachsen.Foto: dpa

Der SPD-Politiker Stephan Weil ist neuer niedersächsischer Ministerpräsident. Der Landtag in Hannover wählte den 54-Jährigen am Dienstag zum Nachfolger von David McAllister (CDU). Der bisherige hannoversche Oberbürgermeister bekam 69 Ja-Stimmen - das ist exakt die Zahl der Abgeordneten von SPD und Grünen. Beide Parteien hatten sich auf die Bildung der zweiten rot-grünen Koalition in Niedersachsen verständigt.

Angesichts der knappen Mehrheitsverhältnisse war die Wahl des neuen Ministerpräsidenten mit Spannung erwartet worden. Doch die rot-grünen Reihen standen am Dienstag geschlossen.

Das erste Stück Arbeit hatte der bisherige Oberbürgermeister von Hannover schon vollbracht: den Koalitionsvertrag mit den Grünen – zügig, geräuschlos, harmonisch. Die Wahl zum Ministerpräsidenten auf der konstituierenden Sitzung des Landtags war nun die erste echte Herausforderung. Über 69 Sitze verfügen SPD und Grüne gemeinsam, ein hauchdünner Vorsprung vor CDU und FDP mit 68.

Angst vor Abweichlern? Solche Fragen lächelte der Kandidat zuvor weg. Der gewiefte Taktiker hat ein Personalpaket gezimmert, bei dem Frauenquote und Regionalproporz nicht zu kurz kommen und das potenziellen Frust klein hält. An Spekulationen, dass einige Hinterbänkler von der FDP aus Furcht vor Neuwahlen für Weil stimmen könnten, mochte sich der Regierungschef in spe auch nicht beteiligen.

Als nüchtern, pragmatisch und manchmal auch spröde gilt der frühere Richter und Stadtkämmerer bisher. Seine sprichwörtliche Bodenhaftung gab Weil höchstens auf, wenn der glühende Anhänger von Hannover 96 ins Fachsimpeln über Fußball geriet. Wahlkampf und vor allem der Wahlsieg lassen ihn jetzt lockerer erscheinen. Die grünen Verhandlungspartner berichten jedenfalls von gelösten Gesprächsrunden mit viel hintergründigem Humor.

Seine Sachlichkeit will Weil als Ministerpräsident jedoch nicht aufgeben. „Ich verspreche nichts, was ich nicht auch halten kann“, gibt der künftige Landesvater als sein Credo aus. Extreme Positionen vermeidet er. Dass er grüne Bäume nicht in den Himmel wachsen lassen will, macht Weil ebenfalls klar. „Die SPD muss darauf achten, dass die Wirtschaft in Niedersachsen erfolgreich sein kann“, lautet die Botschaft an den kleineren Partner. Wenn es drauf ankomme, so ist zu hören, könne Weil auch knallhart seine Interessen durchsetzen.

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