Politik : „Niedrigstes ethisches Niveau“

Politiker kritisieren Förderung von Embryonenforschung in EU

Für Philippe Busquin war es ein kleiner Triumph. Doch nach der hitzigen Vordebatte gab sich der EU-Forschungskommissar diplomatisch. Mit dem Beschluss, verbrauchende Embryonenforschung finanziell zu fördern, wolle und könne die EU-Kommission keinem EU-Staat Ethik-Regeln vorschreiben, sagte er. Auch sei es nicht beabsichtigt, solche Projekte dort zu fördern, wo sie verboten sind.

Das hatte auch keiner der Kritiker behauptet. Die Frage ist vielmehr: Kann man Staaten wie Deutschland, die die Tötung von Embryonen zu Forschungszwecken unter Strafe gestellt haben, für dieses Vorhaben in anderen EU-Ländern zur Kasse bitten? An diesem Problem ändert auch die Stichtagsregelung wenig, mit der die EU-Kommissare ihrem Kollegen Busquin in die Parade fuhren.

Das Datum bezieht sich nämlich nicht, wie in Deutschland, auf bereits gewonnene Stammzellen, sondern auf lebende Embryonen. Nur wenn sie vor dem 27. Juni 2002 gezeugt wurden, soll die Forschung an ihnen mit EU- Geld gefördert werden können.

Für den Vize-Vorsitzenden der Bioethik- Enquetekommission des Bundestags, Hubert Hüppe (CDU), ist auch dies nicht hinnehmbar und „ein verheerendes Signal“. Der Beschluss „belastet das Zusammenwachsen Europas und schürt Befürchtungen, dass auch in Zukunft Einigung nur auf dem niedrigsten ethischen Niveau stattfinden könnte“, sagte er. Kritik hagelte es auch von SPD und Grünen, den großen Kirchen und der Ärztekammer. Die EU-Abgeordnete Hiltrud Breyer (Grüne) nannte den Stichtag „inakzeptable Augenwischerei“. Die Mitgliedsstaaten seien „jetzt aufgefordert, diesem skandalösen Vorhaben der Kommission die rote Karte zu zeigen“. Was die Bundesregierung versprach: Man strebe im EU-Ministerrat eine Lösung auf der Grundlage deutschen Rechts an, so Forschungsstaatssekretär Wolf-Michael Catenhusen.

Das Kritikerargument, dass man auf neue Stammzellen verzichten könne, bekräftigte der renommierte US-Genforscher Hans Schöler. Es genüge, wenn Mittel zur Erforschung von fünf Zelllinien bereitstünden, schrieb er in einem Brief, der dem Tagesspiegel vorliegt. Das Problem sei, dass diese Forschung „uns weit mehr geistiges Zutun abverlangt“ als die Gewinnung neuer Zelllinien, die eher „technische Fleißaufgabe“ sei und „zu der Goldgräberstimmung auf diesem Gebiet“ passe.

Wird Obama wiedergewählt?

Umfrage

Die Bundesregierung möchte wissen, was die Deutschen denken. Im Internet sollen die Bürger zu verschiedenen Themen ihre Meinung schreiben. Was halten Sie davon?

Service

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Alle Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Russland und China verhindern UN-Resolution gegen Syrien. Was halten Sie davon?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite