Niger : Lebenszeichen von Geiseln Al Qaidas

Nach einem ersten Lebenszeichen der Al-Qaida-Geiseln hofft Frankreich nun auf Verhandlungen.

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Paris - Das Bild ist bedrohlich: Es zeigt sieben auf sandigem Boden sitzende Geiseln. Bis auf die Frau unter ihnen, deren Gesicht verpixelt wurde, sind sie gut zu erkennen. Hinter ihnen stehen Männer mit verhüllten Köpfen, die Läufe ihrer automatischen Waffen haben sie auf ihre Opfer gerichtet. Doch in Paris atmet man auf. Es ist nach zwei Wochen das erste Lebenszeichen der Mitte September von „Al Qaida des Islamischen Maghreb“ (Aqmi) in Niger entführten Angestellten des französischen Nuklearkonzerns Areva. Das sei „ermutigend“, erklärte Frankreichs Verteidigungsminister Hervé Morin am Freitag, auch wenn man nicht wisse, wann und wo das Foto aufgenommen wurde. Verbreitet hatte es am Vortag der arabische Fernsehsender Al Dschasira.

Dazu hatte eine als Sprachrohr des nordafrikanischen Ablegers von Osama Bin Ladens Terror-Netzwerk dienende islamische Internetseite Tonaufnahmen veröffentlicht, in denen die sieben Gefangenen – fünf Franzosen und zwei Afrikaner – ihre Identität nannten und ihre Entführung durch Aqmi bestätigten. Die französischen Behörden halten die Bild- und Tonaufnahmen für authentisch. Auf dem Foto sei ein neben den Geiseln sitzender bewaffneter Mann mit unverhülltem Gesicht von Experten als Abu Zeid identifiziert worden, hieß es. Er gilt als Chef des Kommandos, das die sieben Personen in der Nacht vom 15. zum 16. September aus ihren Häusern nahe der von Areva ausgebeuteten Uranmine bei Arlit im Norden von Niger entführte.

„Wir setzen alles in Bewegung für die Freilassung der Geiseln“, versicherte Präsident Nicolas Sarkozy am Freitag deren Angehörigen. Illusionen darüber, dass – wenn überhaupt – dazu nur langwierige Verhandlungen führen können, macht man sich in Paris freilich nicht. Noch am vergangenen Wochenende hatte der Elysée-Palast in einer Botschaft an die Entführer die Bereitschaft verkündet, jederzeit zu verhandeln. Doch außer einem Bekenntnis von Aqmi zu der Entführung, dessen Echtheit nicht überprüft werden konnte, waren bisher weder Forderungen noch andere Hinweise zu möglichen Kontakten bekannt geworden.

Auch jetzt bleibt Paris nichts anderes übrig, als die Bedingungen der Terroristen abzuwarten. Eine militärische Operation zur Befreiung der Geiseln, wie sie im Sommer im Fall des entführten und dann ermordeten humanitären Helfers Michel Germaneau unternommen worden war, scheint nicht vorgesehen zu sein. Frankreich möge sich vor einer „neuen Dummheit“ hüten, soll Aqmi bereits gewarnt haben.

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