Nigeria : Freie Wahlen und trotzdem Krawall

Goodluck Jonathan wird als Präsident Nigerias bestätigt. Im Norden brennen Kirchen und Moscheen. Wahlbeobachter halten die Präsidentschaftswahl für eine der fairsten, die jemals stattgefunden hat.

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In Lagos im Süden Nigerias bereitet sich eine Frau darauf vor, ihre Stimme abzugeben. Wahlbeobachter halten die Präsidentenwahl für eine der fairsten, die jemals stattgefunden hat.
In Lagos im Süden Nigerias bereitet sich eine Frau darauf vor, ihre Stimme abzugeben. Wahlbeobachter halten die Präsidentenwahl...Foto: REUTERS

Goodluck Jonathan ist begeistert. Nigeria habe der Welt bewiesen, „dass wir fähig sind, freie, faire und glaubwürdige Wahlen“ abzuhalten. Jonathan ist im ersten Wahlgang mit 57 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt worden. Die Wahl sei „womöglich die beste seit der Unabhängigkeit“ gewesen, sagt auch Elizabeth Donelly vom Londoner Thinktank Chatham House. Jonathan sagte in seiner Rede, mit der er die Wahl annahm, sogar euphorisch: „Die Zukunft Nigerias ist glänzend.“

Das sahen überwiegend Jugendliche in sieben nördlichen Bundesstaaten offensichtlich anders. Seit sich am Montag ein Wahlsieg Jonathans abzeichnete, kam es zu Krawallen. Kirchen wurden angezündet, Moscheen brannten, Geschäfte wurden geplündert und auch am Haus von Jonathans designiertem Vizepräsidenten Namadi Sambo in Kaduna haben Jugendliche Feuer gelegt. Trotz vereinzelter Berichte über Wahlbetrug, im Norden wie im Süden, schätzen Wahlbeobachter den Verlauf als „ziemlich glaubwürdig“ ein. Jonathan hat gut zehn Millionen Stimmen mehr erhalten als sein Rivale, der frühere Militärmachthaber Muhammadu Buhari, der auf etwa 31 Prozent kam.

In Nordnigeria brachen dennoch Krawalle aus.
In Nordnigeria brachen dennoch Krawalle aus.Foto: AFP

Klaus Paehler, der das Büro der Konrad- Adenauer-Stiftung in Nigeria leitet, sieht in den Wahlen wie Elizabeth Donelly allenfalls den Auslöser für die Krawalle. Donelly sagt: „Es ist in Nigeria üblich, dass jugendliche Anhänger vor Wahlen bewaffnet werden, um vorbereitet zu sein.“ Paehler fügt hinzu: „Diese überwiegend arbeitslosen jungen Männer sind für wenig Geld zu motivieren.“ Die Wirtschaftsdaten des Nordens sind seit Jahren schlechter als die des Südens, wo das Erdöl gefördert wird. Gleichzeitig leidet der Norden unter der Ausbreitung der Sahara nach Süden. Hunderte Dörfer sind nicht mehr bewohnbar. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung schnell. Jeder Flecken Land wird bewirtschaftet. Viehhirten, die früher festen Routen gefolgt sind, geraten immer öfter mit sesshaften Bauern aneinander, wenn Kühe Felder abweiden.

Donelly sagt: „Der Verfall der Infrastruktur in Nigeria ist dramatisch.“ Es werde schwer für Jonathan, seine Wahlversprechen, wie etwa eine stabile Elektrizitätsversorgung, auch zu erfüllen. Paehler weist darauf hin, dass Jonathan im Norden durchaus Unterstützung mobilisieren konnte. Bei den Vorwahlen der Regierungspartei setzte sich der Christ aus dem Süden durch, obwohl nach einer internen Parteiabsprache eigentlich ein Kandidat aus dem Norden am Zug gewesen wäre. Paehler vermutet, dass diese Unterstützung Jonathan in seinem Handlungsspielraum einschränken wird. Denn ohne Versprechungen von Staatsaufträgen oder lukrativen Posten dürfte Jonathan seine Nominierung wohl kaum gelungen sein.

Die Fotos zeigen Szenen aus Kano und Bauchi, wo am Dienstag die Armee patrouillierte.
Die Fotos zeigen Szenen aus Kano und Bauchi, wo am Dienstag die Armee patrouillierte.Foto: AFP

Jonathan versuchte die Unruhen, bei denen es Tote gegeben hat – mindestens 20 Menschen sollen umgekommen sein – herunterzuspielen. Er bedauere, „dass es in Teilen des Landes zu unnötiger Gewalt“ gekommen sei. Buhari sagte dem britischen Sender BBC, die Vorkommnisse seien „bedauerlich und vollkommen unberechtigt“. Der Nigeria-Experte des südafrikanischen Thinktanks Institute for Security Studies (ISS), David Zounmenou, hält es für dringlich, dass Jonathan gemeinsam mit Buhari und den Gouverneuren der Nordstaaten an die Jugendlichen appelliert, die Gewalt einzustellen. Zudem müsse Jonathan eine „prominente Figur aus dem Norden“ zu seinem Vizepräsidenten machen, als Signal an den Norden, dass er nicht abgehängt werde, sagte er. Jonathan kündigte eine Regierung an, in der alle Strömungen vertreten sein sollten. Paehler hat dennoch Zweifel, ob es ihm gelingen kann, das wichtigste Problem in Nigeria zu lösen: Jobs für die vielen unterbeschäftigten jungen Männer zu schaffen.

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