Nigeria : Jugendliche setzen 60 Shell-Mitarbeiter fest

Bewaffnete Jugendliche haben in Nigeria eine Anlage des Ölkonzerns Shell gestürmt und rund 60 Angestellte als Geiseln genommen. Shell soll Versprechen von mehr Arbeitsplätzen und Sozialleistungen gebrochen haben.

Lagos - Die Angreifer aus der Gemeinde Oporoma hätten die Sicherheitsposten der Anlage am Fluss Nun im südlichen Niger-Delta überwältigt, erklärte das britisch-niederländische Unternehmen. Die Regierung habe Verhandlungsführer entsandt. Ein Sprecher der nigerianischen Marine sagte, Hintergrund seien offenbar "Missverständnisse" über Vereinbarungen des Shell-Konzerns mit der Gemeinde. Seit Jahresbeginn häufen sich die Angriffe auf Ölanlagen im Niger-Delta. Die Anwohner werfen den Konzernen vor, Versprechen von mehr Arbeitsplätzen und Sozialleistungen zu brechen.

Der Shell-Konzern erklärte, bislang sei durch die Geiselnahme niemand verletzt worden. Die Produktion sei zwangsläufig eingestellt worden. Der Ausfall belaufe sich auf rund 12.000 Barrel Öl am Tag. Seit Beginn des Jahres verstärken sich die Unruhen im Niger-Delta, in dem die Öl- und Gasindustrie Milliardenumsätze generiert. Die dort ansässige Bevölkerung muss im Durchschnitt mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen. In den vergangenen neun Monaten wurden zahlreiche Sicherheitskräfte in Ölanlagen getötet und dutzende Mitarbeiter entführt. Bei den Tätern handelt es sich teils um Aufständische, die unter anderem eine stärkere Beteiligung der Einheimischen an den Gewinnen aus der Ölförderung verlangen; zum Teil gehören sie dem organisierten Verbrechen an.

Allein im Oktober wurden bereits 14 Soldaten getötet und mehr als 30 Mitarbeiter der Ölindustrie verschleppt. Die meisten Geiseln kamen wieder frei. Sieben Ausländer werden jedoch noch vermisst. Nigeria ist weltweit der sechstgrößte Ölexporteur. Mehr als 95 Prozent seiner Devisen bezieht das westafrikanische Land aus dem Ölverkauf. Durch die Angriffe reduzierte sich die Produktion seit Jahresbeginn jedoch bereits um ein Viertel. Der Shell-Konzern musste bereits dutzende Bohr- und Förderanlagen schließen. Die Produktion des Konzerns in Nigeria sank insgesamt um rund 477.000 Barrel Öl pro Tag. (tso/AFP)

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