Nobelpreis für Kohl : Eine Hand ehrt die andere

Michael Gorbatschow, selbst bereits Friedensnobelpreisträger, hat seinen alten Kumpan Helmut Kohl für die diesjährige Auszeichnung vorgeschlagen. Auch EU-Kommissionspräsident Barroso ist für den Ex-Kanzler. Kohls Chancen steigen damit trotzdem nicht.

Gorbatschow & Kohl
Geehrt: Alt-Bundeskanzler Kohl erhält aus den Händen von Gorbatschow die "Quadriga".Foto: dpa

OsloBis zur möglichen Verleihung des Friedensnobelpreises an Ex-Kanzler Helmut Kohl ist es auch nach der Nominierung durch den früheren Preisträger Michail Gorbatschow und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso noch ein sehr weiter Weg. "Es wurde mal jemand einhellig von sage und schreibe 2500 früheren Nobelpreisträgern vorgeschlagen. Er hat den Preis nie bekommen", sagt Geir Lundestad, Chef des Osloer Nobelinstituts. Auch dass vielleicht eine breite internationale Öffentlichkeit hinter dem jetzt eingereichten Vorschlag des früheren sowjetischen Präsidenten und Friedensnobelpreisträgers 1990 für Kohl stehen könnte, ist nach Lundestads Erfahrungen alles andere als eine Garantie: "Wir hatten einmal 750.000 Unterschriften für einen Vorschlag. Der bekam den Preis aber auch nie."

167 Vorschläge sind für die diesjährige Ausgabe des berühmtesten Preises der Welt bei den fünf norwegischen Juroren eingegangen. Obwohl Barroso und Gorbatschow mit ihren Initiativen erst nach Ablauf der Vorschlagsfrist für 2007 am 1. Februar gekommen sind, dürfte der Name Kohl mit einiger Sicherheit auf der streng geheimen Kandidatenliste stehen. "Die international herausragenden Politiker aus den großen Staaten werden eigentlich alle dauernd vorgeschlagen", sagt Lundestad, der selbst nicht abstimmt, die fünf Juroren aus seiner höchst einflussreichen Position aber berät. Alle amtierenden US-Präsidenten sowie ihre noch lebenden Vorgänger gehören ebenso zu dieser Kategorie wie britische Premierminister, französische Staatspräsidenten und eben auch deutsche Bundeskanzler.

Schon immer eine bunte Mischung

Sollte nun eine massive Kampagne für den 77-jährigen Ex-Kanzler als ersten deutschen Friedensnobelpreisträger seit Willy Brandt 1971 bevorstehen, wäre auch das für die Juroren nicht viel mehr als Routine. "Es kommen dauernd Gruppen zu mir, um für einen bestimmten Vorschlag zu werben. Dagegen haben wir auch nichts." Als eine "gelungene, richtige und wichtige Kampagne" bezeichnete der Norweger die für den deutschen Publizisten und Pazifisten Carl von Ossietzky, der 1936 ausgezeichnet wurde und zwei Jahre später an den Folgen seiner Haft in nationalsozialistischen Konzentrationslagern starb.

Im letzten Jahr erhielt mit Mohammed Yunus, dem "Banker der Armen" aus Bangladesch, ein vorher für die große Medienwelt noch relativ unbekannter Preisträger die mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund eine Million Euro) dotierte Auszeichnung. Dass das Osloer Komitee jetzt generell eher Friedens-, Umwelt- oder Sozial-Aktivisten jenseits des Rampenlichts bevorzuge, weist Lundestad zurück. "Wir haben da schon immer eine bunte Mischung gehabt", sagt er und kann etwa auf den Preis 2002 an den früheren Ex-Präsidenten Jimmy Carter verweisen. Der wurde als 78- Jähriger ausgezeichnet für "jahrzehntelange unermüdliche Bemühungen um die friedliche Lösung internationaler Konflikte". Ganz ähnlich haben nun Barroso und Gorbatschow ihre Nominierung Kohls wegen dessen Verdiensten um die friedliche Beendigung des Kalten Krieges begründet. (Von Thomas Borchert, dpa)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben