Politik : Nobelpreisträger: Armut ist Bedrohung für den Frieden

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Oslo - Der Bankier Muhammad Yunus aus Bangladesch hat am Sonntag in Oslo den Friedensnobelpreis in Empfang genommen und zu „neuem sozialen Unternehmertum“ im Interesse der Armutsbekämpfung aufgerufen. Das norwegische Nobelkomitee begründete die Vergabe der Auszeichnung an den 66-jährigen Ökonomen und die von ihm gegründete Grameen Bank mit der erfolgreichen Vergabe von Kleinstkrediten an Arme. Dadurch hätten Millionen Menschen einen Ausweg aus akuter Armut gefunden, sagte Nobelkomitee-Chef Ole Danbolt Mjøs.

Yunus nahm den Preis bei der feierlichen Zeremonie im Osloer Rathaus zusammen mit Mossamat Taslima Begum als Vertreterin der Grameen Bank in Empfang. Begum gehörte selbst zu den derzeit knapp sieben Millionen Frauen in Bangladesch, denen die Mikrokredite der Grameen Bank einen Ausweg aus akuter Armut eröffnet haben. Yunus bezeichnete Armut als „Bedrohung für den Frieden“. Sie bedeute auch „das Fehlen jeglicher Menschenrechte“. Er sprach sich gegen Wohltätigkeit aus und verlangte stattdessen ein „neues soziales Unternehmertum“, das sich nicht an Profitmaximierung orientiere, sondern am „Nutzen für die Menschen und die Welt“.

„Um arme Menschen aus der Armut herauszubekommen, müssen wir einfach nur eine Umwelt schaffen, die sie aktiv werden lässt“, sagte Yunus. Die von ihm 1974 erstmals mit bescheidendsten persönlichen Mitteln vergebenen Mikrokredite ohne Sicherheiten gelten inzwischen weltweit als erfolgreiches Konzept zur Armutsbekämpfung. Yunus nannte sich selbst einen „Anhänger der Globalisierung“ und sprach sich für „mehr freie Marktwirtschaft“ aus.

Yunus sagte weiter, auch bei der Bekämpfung des Terrorismus müsse man die Wurzeln bekämpfen: „Ich glaube, die Verbesserung der Lebensbedingungen armer Menschen ist eine bessere Strategie als Geld für Gewehre. Der Kampf gegen den Terrorismus kann nicht durch Militäraktionen gewonnen werden.“ Die Dotierung des Preises von umgerechnet 1,1 Millionen Euro (zehn Millionen schwedische Kronen) soll zur Finanzierung von neuen geschäftlichen Aktivitäten der Grameen Bank für Arme verwendet werden.

Komiteechef Mjøs zitierte in seiner Laudatio den früheren US-Präsidenten Bill Clinton als beharrlichen Fürsprecher des „Bankers der Armen“ aus Bangladesch. Clinton hatte 2002 gesagt: „Dr. Yunus hat den Friedensnobelpreis schon ewig verdient. Ich werde das so lange wiederholen, bis sie ihn endlich damit auszeichnen.“ Mjøs meinte: „Nun braucht uns Clinton nicht mehr daran zu erinnern.“ Neben Norwegens König Harald V. nahm auch die spanische Königin Sofia an der Zeremonie in Oslo teil. dpa

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