Politik : Nobelpreisträgerin im Hungerstreik?

USA sind besorgt um Sicherheit von Birmas Politikerin Suu Kyi / Militärregime dementiert

Moritz Kleine-Brockhoff

Jakarta. Birmas inhaftierte Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi ist nach Angaben eines Sprechers des US-Außenministeriums in den Hungerstreik getreten. „Wir machen uns große Sorgen um ihre Sicherheit und Gesundheit“, sagte Philip Reeker am Sonntag in Washington. Bislang wurde die Nachricht nicht bestätigt, auch Mitstreiter der Friedensnobelpreisträgerin, die im Exil leben, konnten die US-Information nicht belegen. Birmas Außenministerium ließ verkünden, die US-Behauptung sei „grundlos“, Suu Kyi nicht im Hungerstreik.

Suu Kyi, die in Birma seit 1988 friedlich für Demokratie kämpft, wird seit drei Monaten von der Junta an einem geheimen Ort gefangen gehalten. Im Juni hatten ein UN-Gesandter und ein Vertreter des Roten Kreuzes sie besuchen können, seither gewährt Birmas Regime keinen Zugang mehr zu ihr. Verlässliche Informationen aus Birma sind rar, da es keine freie Presse gibt. Seit Ende Mai ist neben Suu Kyi die gesamte Führungsriege der „Nationalen Liga für Demokratie“ (NLD) nicht mehr telefonisch erreichbar. Alle Mitglieder sind in Haft oder stehen unter Hausarrest, Parteibüros sind geschlossen. Die Agentur Reuters hat nach eigenen Angaben am Montag einen NLD-Politiker erreicht, er habe nicht bestätigen können, dass Suu Kyi im Hungerstreik sei.

In Birma herrschen seit 1962 Militärregime. 1990 hatte die jetzige Regierung freie Wahlen zugelassen. Nach dem Sieg von Suu Kyis Partei ignorierten die Generäle das Ergebnis. Suu Kyi stand in den vergangenen 14 Jahren die Hälfte der Zeit unter Hausarrest oder war im Gefängnis, 1989 war sie schon einmal in Hungerstreik getreten. Die jüngsten Maßnahmen gegen sie und ihre Partei ergingen nach einem blutigen Zwischenfall im Norden des Landes. Nach Darstellung der Opposition überfiel ein vom Regime geschickter Schlägertrupp Suu Kyis Autokonvoi, Dutzende Menschen sollen dabei gestorben sein. Nach Angaben der Junta handelte es sich um einen Zusammenstoß von Suu-Kyi-Anhängern und Unterstützern der Regierung mit „wenigen“ Toten. Danach sei Suu Kyi zu ihrem Schutz in Gewahrsam genommen worden.

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