Politik : Noch eine Chance für die Liberalen

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„Selbst wenn man im Liberalismus nicht die ewige Frage nach der Freiheit und Würde des Menschen zu sehen vermag, sondern nur die geschichtliche Episode etwa von der Zeit des Humanismus und der Aufklärung über die große Französische Revolution bis hin zum Hochkapitalismus, sind seine Sünden vergleichsweise gering.

Er hat nach seinem großen und erfolgreichen Kampf um geistige Freiheit, bürgerliche Rechte und verbriefte Verfassungen teilweise versagt, ließ sich als Interessenvertreter privilegierter Schichten missbrauchen, erstarrte bürgerlichkonservativ und trägt Mitverantwortung an den Sünden des Frühkapitalismus, an Kinderarbeit, Menschenausbeutung und ungerechter Vermögensverteilung.

Das wird allerdings durch die Tatsache gemildert, dass die Ideen und Initiativen zur Überwindung dieser Übel – Genossenschaftsgedanke, Gewerkschaftsbewegung, allgemeine Volksbildung, Sozialversicherung – auch im Schoße des Liberalismus geboren wurden.“

Die Passage stammt aus dem Buch „Noch eine Chance für die Liberalen“, das Karl-Hermann Flach 1971 veröffentlichte. Flach, geboren 1929, war Journalist und ab 1971 Generalsekretär der FDP. In der Zeit war er einer der profilierten Köpfe, die sich um eine sozialliberale Ausrichtung der Partei bemühten. Flach starb im August 1973. es

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