Politik : Noch immer fallen Menschen dem Haß zum Opfer

PRISTINA (AP/KNA). Trotz der Friedensappelle des Westens verschärfen sich die ethnischen Spannungen im Kosovo weiter. In dem von der Bundeswehr kontrollierten Sektor steckten Albaner 50 Häuser von Serben in Brand. In einem Universitätsgebäude in Pristina wurden am Donnerstag die Leichen eines serbischen Professors und zweier Männer entdeckt. Derweil riefen Bundesaußenminister Joschka Fischer und seine Kollegen aus Großbritannien, Italien und Frankreich zur Aussöhnung auf. Rußland sagte Jugoslawien Hilfe beim Wiederaufbau zu.Die deutschen Soldaten eilten am Mittwoch sofort in das Dorf Novake, konnten aber die Zerstörung der Häuser nicht verhindern. Es sei frustrierend, hierher zu kommen und nichts mehr tun zu können, sagte ein Bundeswehrsoldat. Die drei Leichen in Pristina wurden in einem Kellergebäude des von Serben geleiteten Wirtschaftsinstituts der Universität entdeckt. Die Opfer waren offenbar geschlagen und erschossen worden. Unterdessen wurden US-Soldaten in ein Feuergefecht verwickelt, bei dem einer der Angreifer getötet wurde. Nach Angaben eines Nato-Sprechers handelte es sich um Serben.Fischer rief in Pristina die Kosovo-Albaner auf, sich nicht an den Serben zu rächen. Der Frieden müsse auf Gerechtigkeit und dürfe nicht auf Rache aufgebaut werden. Am Donnerstag mittag trafen Nato-Generalsekretär Javier Solana und der Oberbefehlshaber der Allianz für Europa, General Wesley Clark, zu ihrem ersten Kosovo-Besuch in Pristina ein. Sie wollten sich dort mit Führern der Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) und serbischen Vertretern treffen. Bei ihrer Ankunft wurden die Nato-Führer von Hunderten Albanern begeistert empfangen.Die fast tägliche Entdeckung neuer Massengräber wird für die deutschen Soldaten im Kosovo zunehmend zu einer seelischen Belastung. Nach Angaben des Evangelischen Kirchenamts für die Bundeswehr in Bonn vom Donnerstag versuchen derzeit neben mehreren Psychologen der Bundeswehr auch zwei Militärseelsorger im Kosovo, den Soldaten bei der Verarbeitung ihrer bedrückenden Erlebnisse zu helfen.Der Kommandeur der in Amberg (Oberpfalz) stationierten Panzerdivision 12, Brigadegeneral Fritz von Korff, sprach in einem Interview von Funden, die so schlimm seien, "daß man sich das real gar nicht vorstellen kann". Korff ist Chef der 2500 Bundeswehrsoldaten, die derzeit in Prizren als Teil der internationalen Kosovo-Friedenstruppe (KFOR) stationiert sind. Für ihre seelsorgerliche Betreuung sind der katholische Militärpfarrer Ewald Beha (Tauberbischofsheim) und der evangelische Militärpfarrer Werner Herrmann (Amberg) zuständig.Herrmann steht in ständiger Verbindung mit dem Evangelischen Kirchenamt für die Bundeswehr. Wie der zuständige Referent, Militärdekan Peter Michaelis, erklärte, belasten die deutschen Soldaten im Kosovo nicht nur die Bilder von Zerstörung und menschlichem Leid, sondern auch das Gefühl, nicht genug helfen zu können. Die Soldaten, die im Südwesten des Kosovo in einem etwa 30 Kilometer breiten und bis zu 50 Kilometer langen Gebiet für Recht und Ordnung sorgen sollen, hofften deshalb auf baldige Verstärkung.Zur Ausrüstung des Geistlichen gehört neben dem Kreuz und dem Abendmahlsgerät ein Dienstfahrzeug von der Budenswehr, ein Laptop und ein Keyboard zur musikalischen Gestaltung von Gottesdiensten.

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