Politik : Noch immer sterben täglich Kinder

Ruth Ciesinger

Berlin - Bereits Anfang August hat sich Sudans Regierung gegenüber den UN verpflichtet, sichere Gebiete in der Krisenregion Darfur zu schaffen: Damit Flüchtlinge zurückkehren und Bauern wieder ihre Felder bestellen können. Der UN-Gesandte Jan Pronk bescheinigte Khartum am Montag Bemühungen, die Gewalt zu stoppen. Doch die Erfahrung von Hilfsorganisationen zeigt, bisher hat sich an der Sicherheitslage wenig geändert. Die Situation der Menschen nennt Stefan Große Rüschkamp von Ärzte ohne Grenzen schlicht „katastrophal“.

Über eine Million sind in Darfur auf der Flucht vor arabischstämmigen Reitermilizen. Ärzte ohne Grenzen, die dort mit etwa 160 Mitarbeitern im Einsatz sind, betreuen unter anderem im Süden das Lager Kalam mit rund 80 000 Flüchtlingen. Täglich kommen dort Menschen an, sie leben in Planenhütten auf einer Fläche von vier Quadratkilometern. Viele sind unterernährt, vor allem die Jüngsten. „Ein Tag, an dem nur ein Kind stirbt, ist ein guter Tag“, so sei die Lage, sagt Große Rüschkamp. Zudem berichten die Vertriebenen immer wieder von Überfällen, und Ärzte behandeln Schussverletzungen. Das Rote Kreuz schreibt in seinem Sudanbericht, viele Menschen würden aus Angst vor Gewalt die Lager überhaupt nicht verlassen. Weil so aber niemand das Land bestellt, rechnet die Organisation mit einem steigenden Bedarf an Hilfsgütern. Zudem breiten sich, verstärkt durch die Regenzeit, Malaria und Durchfall aus, in manchen Lagern Hepatitis E.

Chris Necker, der für die Hilfsorganisation Care in Sudan arbeitet, vermutet, dass viele Flüchtlinge bis zum Mai in Lagern bleiben werden – und von internationaler Hilfe abhängig sind. Die International Crisis Group (ICG) verlangt deshalb einen schärferen Fokus auf den Zusammenhang von Sicherheit und humanitärer Situation. In ihrer Analyse zur Lage in Darfur geht sie von zwei Millionen Zivilisten aus, die Hilfe brauchen. Bei vielen komme diese nicht an, da die Regierung bürokratische Hindernisse aufbaue. Die bisherigen Mittel seien zu gering, um der steigenden Zahl von Menschen in Not zu helfen, in finanzieller und personeller sowie in logistischer Hinsicht. Die ICG fordert mehr Hilfsmaßnahmen von der UN und den Geberländern, für Darfur und für Flüchtlingslager im Tschad.

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