Politik : Noch kein Sieger bei Kampf ums Präsidentenamt in Peru

Sandra Weiss

Montevideo - Über den nächsten Präsidenten Perus wird in einer Stichwahl entschieden. Bei der ersten Wahlrunde am Sonntag lag nach Auszählung von zwei Dritteln der Stimmen der Linksnationalist Ollanta Humala mit 28 Prozent knapp vor der Christdemokratin Lourdes Flores mit 26,3 Prozent und dem sozialdemokratischen Ex-Präsidenten Alan Garcia mit 25,1 Prozent. Wegen des knappen Ergebnisses und der zu erwartenden Einsprüche der Kandidaten kann es mehrere Tage dauern, bis feststeht, wer im Mai in die zweite Runde einzieht. Bei der gleichzeitig stattfindenden Parlamentswahl errang Humalas „Einheit für Peru“ (UPP) 43 der 120 Sitze, gefolgt von Garcias sozialdemokratischer „Apra“ mit 35 Abgeordneten und der konservativen „Nationalen Einheit“ (UN) von Flores mit 19 Sitzen. Die „Zukunftsallianz“ des wegen Korruption in Chile inhaftierten Ex-Präsidenten Alberto Fujimori wird mit 15 Sitzen viertstärkste Kraft und möglicherweise entscheidend bei der Koalitionsbildung.

Humala, den seine Gegner die „linke Gefahr für Peru“ nennen, zeigte sich nach dem ersten Wahldurchgang siegesgewiss. „Das peruanische Volk kann feiern“, rief der Ex-Militär in Lima vor Hunderten von Anhängern. Bei seiner Stimmabgabe allerdings war er mit faulen Eiern beworfen und als „Mörder“ beschimpft worden. Die Vorwürfe beziehen sich auf angebliche Menschenrechtsverletzungen Humalas während der Militärrevolte im Jahr 2000. Sein politisches Vorbild, Venezuelas Präsident Hugo Chavez, zeigte sich „hoffnungsfroh“. Er will in Lateinamerika eine linke Achse gegen die „imperialistische Politik der USA“ schmieden. Analysten zufolge ist der Ausgang der zweiten Wahlrunde offen. Alle Kandidaten haben mehr soziale Gerechtigkeit für Peru versprochen, wo die Hälfte der Bevölkerung in Armut lebt. Humala will mehr staatliche Kontrolle der Wirtschaft und bei Korruption hart durchgreifen. Flores setzt dagegen auf liberalere Rezepte wie Investitionsförderung.

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