Politik : Noch lange fragte Karel Wojtyla nach seiner jüdischen Jugendliebe

Charles A. Landsmann

Der Papst gilt dem jüdischen Volk als ausgesprochener Freund. Daran ändert auch nicht, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche erst kürzlich mit Palästinenserpräsident Arafat ein Abkommen unterzeichnete, das dem israelischen Alleinherrschaftsanspruch widerspricht und deshalb in offiziellen Reaktionen Israels auf heftige Kritik stieß. Die Sympathien blieben.

Schließlich war Karel Wojtyla in Polen in einem jüdischen Haus aufgewachsen. Der Besitzer seines Geburtshauses war der örtliche Rabbiner, und auch seine erste Freundin - lange bevor er Priester wurde - war Jüdin, Regina Reisenfeld ihr offizieller Name. "Gengka" nannte er seine schöne Partnerin beim Theaterspiel damals zärtlich - er war ihr "Lulek" -, und als er in Rom zum Papst gewählt worden war und dort einer aus Israel angereisten Gruppe jüdischer Jugendfreunde eine erste Audienz gewährte, galt auch seine erste Frage ihr: "Wo ist meine Gengka?"

Vor ein paar Jahren noch bekam die alte Frau glänzende Augen, als sie von ihrem Jugendschwarm erzählte: "Lulek war ein schöner junger Mann, sportlich, geistvoll - einfach zum Verlieben." Lulek aus Rom und seine Gengka aus Haifa werden sich jetzt bei Wojtylas Besuch nicht und nie mehr wiedersehen: Sie ist abgetaucht in die Welt des Vergessens, Opfer der heimtückischsten aller Altersleiden.

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