Politik : Noch viel mehr Gammelfleischin der Stadt

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Berlin - In Berlin wächst der Druck auf die Senatorin Heidi Knake-Werner (Linkspartei/PDS) und die bis vor kurzem von ihr geführte Gesundheitsverwaltung, die Pannen beim Umgang mit verdorbenem Fleisch aufzuklären. Die Regierungsparteien SPD und PDS veranstalten dazu am heutigen Donnerstag eine öffentliche Anhörung, am Nachmittag will die Opposition im Abgeordnetenhaus das Thema zu einem Angriff gegen den rot-roten Senat nutzen. Am Mittwoch wurde bekannt, dass es neben den verspätet gemeldeten 95 Tonnen verdorbenen Fleisches offenbar weitere problematische Fleischmengen gab, über die die Öffentlichkeit bislang nicht informiert wurde.

Nach Tagesspiegel-Informationen wurden bereits im September 73 Tonnen Putenfleisch in einem Kühlhaus in Mitte gelagert, die schon bei der Lieferung aus Duisburg als „nicht für den Verzehr geeignet“ klassifiziert waren. Bei 27 genommenen Proben war eine schwach mit Salmonellen kontaminiert, eine weitere mit anderen Keimen. Dieses Fleisch war allerdings nie für den Berliner Markt vorgesehen.

Nach Ansicht des gesundheitspolitischen Sprechers der CDU, Mario Czaja, sind das „keine Einzelfälle“. Die CDU werde im Parlament nachweisen, dass es weitere Fälle gebe, in denen schlechtes Fleisch gefunden wurde, aber Landesregierung und Öffentlichkeit zu spät informiert wurden. Czaja unterstellt den Regierungsparteien SPD und PDS, sie hätten die Funde von Gammelfleisch während der Koalitionsverhandlungen vorsätzlich geheim gehalten – was die zurückweisen. Einig sind sich Regierung und Opposition in der Forderung, alle Vorgänge schnell aufzuklären und zu ermitteln, wieso Informationen nicht rechtzeitig von den Kontrolleuren an die Behördenleitung gingen. „Es gibt in der Verwaltung ein entscheidendes Problem, das muss gelöst werden“, sagte die SPD-Gesundheitspolitikerin Stefanie Winde. sik/lvt

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