Norbert Röttgen : Junge Union

Der designierte CDU-Chef in Nordrhein-Westfalen, Norbert Röttgen, ist schon länger ein Hoffnungsträger, nun ist er es noch ein bisschen mehr.

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Erst Berater, irgendwann Gegner? Umweltminister Norbert Röttgen wächst mit dem CDU-Vorsitz endgültig in die Führungsetage der CDU hinein. Foto: dpa
Erst Berater, irgendwann Gegner? Umweltminister Norbert Röttgen wächst mit dem CDU-Vorsitz endgültig in die Führungsetage der CDU...Foto: dpa

Berlin - „Hoffnungsträger“ ist eine Jobbeschreibung von etwas zweifelhaftem Wert. Norbert Röttgen kann inzwischen einiges davon erzählen. Der heute 45-jährige CDU-Politiker ist seit seinem Auftauchen in der Bundespolitik so etwas wie ein Hoffnungsträger in spe – das fing mit der schwarz-grünen Pizza-Connection an und ging über die Jungen Wilden, die Helmut Kohl mit dem Ruf nach einem modernen Staatsbürgerschaftsrecht ärgerten, bis hin zu Angela Merkels engerem Beraterkreis. Seit er als Umweltminister mit dem Plan scheiterte, bloß eine Minimal-Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke umzusetzen, nahm die Zahl der Röttgen-Fans ein bisschen ab. Doch seit Sonntag hat er einen Job in der Tasche, der seinen Träger zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Als künftiger CDU-Chef von Nordrhein-Westfalen ist Röttgen im Machtgefüge der nächsten christdemokratischen Generation weit nach oben gerückt. Es war darum nur allzu absehbar, dass Regierungssprecher Steffen Seibert sich am Montag mit der Frage beschäftigen musste, wie denn die Kanzlerin diesen neuen potenziellen Konkurrenten finde. „Sie freut sich, einen starken Umweltminister im Kabinett zu haben“, lautete die diplomatische Antwort.

Tatsächlich dürfte die Freude nicht ganz ungetrübt sein. Der Landesverband NRW ist der mit Abstand größte in der CDU, er stellt beim Parteitag fast ein Drittel der Delegierten. Das verleiht dem Landesvorsitzenden ein eigenes politisches Gewicht. Merkel hat das als junge Ministerin im Kabinett Kohl an Röttgens Vor-Vorgänger Norbert Blüm studieren können, aber auch an Röttgens direktem Vorgänger Jürgen Rüttgers: Als Merkel nach der Spendenaffäre zur Parteichefin aufstieg, war der NRW-Vorsitzende der Einzige, der ihr hätte gefährlich werden können.

Kurz: Ein NRW-Chef am Kabinettstisch kann eine starke Stütze sein, aber genauso gut ganz schön lästig. Ein direkter Konkurrent – worauf die Frage an den Regierungssprecher natürlich zielte – ist er vorerst nicht. „Der Norbert Röttgen muss erst mal sehen, dass er den Landesverband wirklich hinter sich kriegt“, sagt einer aus der Unionsführung.

Das ist nicht einfach. So überraschend klar das 54-Prozent-Votum der Basis ausfiel, so klar ist auch, dass der Landesvorstand den Bundespolitiker mehrheitlich nicht wollte. Der unterlegene frühere Landes-Integrationsminister Armin Laschet ist kein Typ für Rachefeldzüge. Aber unter den Funktionären ist die Skepsis weit verbreitet, ob da nicht einer bloß ein Karrieresprungbrett gesucht hat. Röttgen seinerseits neigt nicht zu falscher Bescheidenheit. Er würde sicher nicht wie dereinst Christian Wulff öffentlich verkünden, Kanzler traue er sich nicht zu. Ein Beinahe-Putschversuch gegen Fraktionschef Volker Kauder hat dessen damaligen Fraktionsgeschäftsführer als ehrgeizigen Machtmenschen gezeigt, der er neben dem freundlich-nachdenklichen Intellektuellen eben auch ist.

Das wiederum dürfte, so paradox es klingt, Merkel sogar wirklich ins Konzept passen. Bisher schien der nicht minder ehrgeizige Christsoziale Karl-Theodor zu Guttenberg allein auf weiter Flur. Jetzt wird auch ein CDU-Mann in der kommenden Generation sichtbar. Das stabilisiert die Parteivorsitzende mehr, als es sie aktuell gefährden kann. Wenn erst mal zwei aufs gleiche Amt schielen, halten sie sich gegenseitig in Schach.

Ansonsten ist die CDU in dieser Altersklasse ja auch nicht üppig besetzt. Zwar rücken in den Ländern überall Jüngere vor. Doch David McAllister in Niedersachsen muss erst eine Wahl gewinnen. Stefan Mappus in Baden-Württemberg muss fürchten, seine zu verlieren. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen fehlt die eigenständige Machtbasis. Röttgens Ausgangsposition ist also gut. Mehr als Hoffnungsträger ist er vorerst trotzdem nicht. Und auch auf ihn wartet eine Landtagswahl. Er weiß nur nicht, wann.

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