Nord-CDU : Von Boetticher enttäuscht von der eigenen Partei

Intrigen und Illoyalitäten auf der einen, Solidaritätsbekundungen auf der anderen Seite: Der Fall Boetticher spaltet die Nord-CDU. Die schwarz-gelbe Landesregierung in Kiel ist weiterhin auf von Boetticher angewiesen.

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Christian von Boetticher ist von seinen Parteifreunden in der Schleswig-Holstein-CDU enttäuscht.
Christian von Boetticher ist von seinen Parteifreunden in der Schleswig-Holstein-CDU enttäuscht.Foto: dpa

Bei Christian von Boettichers Sturz in der schleswig-holsteinischen CDU spielte möglicherweise doch Druck aus der eigenen Partei eine Rolle. Demnach wurde die intern bereits bekannt gewordene Liaison mit einer 16-Jährigen als Druckmittel gegen den 40-Jährigen benutzt, seitdem Mitglieder der Jungen Union im Besitz von entsprechenden Informationen waren. Laut „Focus“ weist ein Indiz auch in die CDU-Landesgeschäftsstelle. Boetticher war vor einer Woche als Landesvorsitzender zurückgetreten.

Nach einem Bericht der „Welt“ hatte sich Boetticher drei Tage vor seinem offiziellen Abgang zum Verzicht auf die Spitzenkandidatur entschieden. Als die Affäre dann in die Presse kam, war es für ihn zu spät, selbst in die Offensive zu gehen. Dem „Spiegel“ sagt ein Sprecher Boettichers, dieser sei „zutiefst getroffen über den Ablauf der Ereignisse“ und „fühle sich von Illoyalitäten umgeben“.

Auch sein Förderer, Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, muss sich scharfe Kritik von seinem Zögling anhören. In der „Bild am Sonntag“ beklagt sich der Geschasste, Carstensen habe „leider den Eindruck erweckt, ich sei ein politischer Autist, weil ich nicht begriffen hätte, dass meine Zeit als Spitzenkandidat abgelaufen war“.

Hans-Jörn Arp, Fraktionskollege Boettichers und Mitglied im Landesvorstand, weist die Kritik an der Partei zurück. „Boetticher verwechselt Ursache und Folgen“ – und die Ursache sei nun mal sein Verhalten gewesen. Den Vorwurf einer Intrige weist Arp zurück, gibt aber zu, dass es Gerüchte gab. Schleswig-Holsteins Ex-Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) zeigte sich erstaunt über die Moraldiskussion nach der Boetticher-Wahl zum Landesvorsitzenden und seiner Vornominierung zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl und attestiert seinen Parteikollegen Scheinheiligkeit. Den „Lübecker Nachrichten“ sagte Marnette, in der Partei habe doch jeder gewusst, „welchen Lebensstil er pflegte“.

Der von Innen-Staatssekretär Ole Schröder geführte Kreisverband Pinneberg, wo Boetticher zu Hause ist, setzt weiter auf den bisherigen Hoffnungsträger. Boetticher wird als Direktkandidat für den Landtag gehandelt, die für Anfang September geplante Wahlkreiskandidatenversammlung soll verschoben werden.

Doch womöglich sieht Boetticher seine Zukunft gar nicht mehr in Schleswig-Holstein. Laut „Bild am Sonntag“ gibt es für den Juristen ein denkbares Leben in den USA, aber auch einen Job in der Wirtschaft. Von Mittwoch bis Freitag stehen für ihn aber erst einmal drei Landtagssitzungen an, da er sein Abgeordnetenmandat bisher nicht zurückgegeben hat. Um sein Erscheinen im Kieler Landeshaus kann er eigentlich nur mit einem Attest vom Arzt herumkommen. Bis zum Ende der Legislaturperiode sind noch acht weitere dreitägige Plenardebatten angesetzt. Die CDU verfügt mit der FDP in der Regierungskoalition nur über eine Stimme Mehrheit und ist somit auf den Abgeordneten Boetticher angewiesen.

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