Nordbayern : Gemeinden drohen mit Auswanderung nach Thüringen

Mehrere Gemeinden in Oberfranken fühlen sich von der bayerischen Staatsregierung finanziell so vernachlässigt, dass sie nun mit einer Auswanderung ins nahe Thüringen drohen.

Nordhalben - "Dies ist ein Hilfeschrei", sagte Josef Daum, Bürgermeister von Nordhalben bei Kronach. Daum kritisierte, dass Fördergelder für das strukturschwache Gebiet fehlten und der kommunale Finanzausgleich in Bayern seit Jahren nicht mehr funktioniere. Die Landeshauptstadt München bekäme einen um das Sechszigfache höheren Ausgleichsfaktor als Nordhalben, "während wir ums Existenzminimum kämpfen", sagte der CSU-Politiker.

Dass die bayerische Staatsregierung dem Antrag auf Abwanderung zustimmen würde, sieht Daum allerdings nicht. Die Ankündigung sei als "politisches Signal" zu sehen, sagte er. Dem Bürgermeister zufolge erwägen auch die Gemeinden Steinwiesen, Wallenfels und Marktrodach, einen Antrag auf Umsiedelung nach Thüringen zu stellen.

Daum bezeichnete die Gemeinden an der Grenze zu Thüringen als "Opfer der Vereinigung und der Grenzöffnung": Weil in Thüringen die Ansiedlung von Betrieben dreimal so stark wie in Oberfranken gefördert werde, zögen immer mehr Firmen weg und die Zahl der Arbeitslosen steige. Die Einwohnerzahl von Nordhalben sei seit 1972 von 2750 auf nun nur noch 2000 geschrumpft. Im Ort stünden inzwischen über 60 Häuser leer und mit den Immobilienpreisen und Arbeitsplätzen gehe es rapide bergab, klagte Daum. (tso/AFP)

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