Nordirak : USA dementiert Genehmigung für türkischen Angriff

Die Angriffe der Türkei gegen Stellungen der PKK im Nordirak sind offenbar doch nicht mit Genehmigung der USA durchgeführt worden. Die US-Botschaft bestritt eine derartige Absprache.

Türkei Luftangriffe
Türkische Kampfflugzeuge bei einer Flugshow in Ungarn. -Foto: dpa

Suleimanija/AnkaraDie Kommandeure haben die Angriffe nicht genehmigt, sie wurden lediglich informiert, teilte die US-Botschaft im Irak mit. Damit widersprachen die USA der Darstellung des türkischen Militärs, dem Angriff sei von US-Seite zugestimmt worden, berichtete die BBC.

Die Angriffe der türkischen Luftwaffe im Nordirak sind von den USA unterstützt worden, das sagte hingegen der türkische Generalstabschef Yasar Büyükanit laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu dem privaten TV-Sender Kanal D. Die Türkei sei mit US-Geheimdienstinformationen versorgt worden, die türkischen Kampfflugzeuge hätten die Erlaubnis gehabt, in den irakischen Luftraum vorzudringen, fügte Büyükanit hinzu. "Die USA haben in der vergangenen Nacht den irakischen Luftraum für uns geöffnet", sagte der Generalstabschef. "Indem sie das taten, haben die USA die Operation gutgeheißen."

Die türkische Luftwaffe hatte in der Nacht zum Sonntag mehrere Dörfer im Norden Iraks bombardiert und dabei nach PKK-Angaben sieben Menschen getötet. Fünf Untergrundkämpfer und zwei Zivilisten seien ums Leben gekommen, teilte die PKK auf einer Website mit. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einer "erfolgreichen Operation". Sein Vertreter Cemil Cicek drohte mit weiteren Angriffen, "falls erforderlich".

Luftangriffe und Artillerie-Bombardement

"Acht türkische Militärflugzeuge haben heute früh einige Dörfer entlang der (irakisch-türkischen) Grenze in der Nähe der Kandil-Berge bombardiert", sagte Dschabbar Jawar, ein Sprecher der "Peschmerga", der Sicherheitskräfte im autonomen kurdischen Nordirak. Die Kampfflugzeuge hätten auch Stellungen in Sap, Hakurk und Awasin angegriffen, teilte der türkische Generalstab mit. Die Bombardements dauerten demnach gut drei Stunden, die Artillerie setzte die Angriffe auch danach fort.

Die Militäraktion habe sich nur gegen PKK-Rebellen gerichtet und nicht gegen irakische Kurden, versicherte der Generalstab weiter. Ähnliche Angriffe auf mutmaßliche PKK-Stellungen im Nordirak hatte die türkische Armee zum ersten Mal am 1. Dezember geflogen. Laut PKK wurden bei dem Angriff vom Sonntag "viele Zivilisten, darunter Frauen und Kinder," verletzt. Laut dem Peschmerga-Sprecher wurden einige Brücken zwischen Dörfern nahe den Kandilbergen beschädigt. Mehrere Familien seien auf der Flucht.

Türkei schließt weitere Angriffe nicht aus

Der türkische Vizeregierungschef Cicek rief die PKK-Kämpfer auf, sich zu stellen. Die PKK erklärte auf ihrer Internetseite, vor den türkischen Angriffen hätten US-Flugzeuge einen Monat lang in der Region Aufklärungsflüge geflogen.

Das schwer zugängliche Kandil-Gebirge an der Grenze zur Türkei ist ein Rückzugsgebiet der PKK-Rebellen, die dort schätzungsweise 3500 Kämpfer unter Waffen haben. Vom Norden des Irak aus attackierten PKK-Kämpfer am 21. Oktober Einheiten der türkischen Armee, dabei wurden zwölf türkische Soldaten getötet. Das türkische Parlament ermächtigte die Regierung in Ankara, Truppen in den Nordirak zu entsenden, um dort Stellungen der PKK anzugreifen. Seither hat die Armee rund 100.000 Soldaten und militärische Ausrüstung an der Grenze zum Irak zusammengezogen.

Im Konflikt zwischen der PKK und der türkischen Armee wurden seit 1984 mehr als 37.000 Menschen getötet. Die Türkei, die EU und die USA betrachten die PKK als terroristische Organisation. (mac/ae/AFP)

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