Politik : Nordirische Polizei findet Todeslisten von Politikern bei IRA

Martin Alioth

Die nordirische Polizei hat am Freitag behauptet, sie habe in einem republikanischen Viertel von Nord-Belfast nachrichtendienstliche Dokumente der Irisch Republikanischen Armee (IRA) gefunden. Es handle sich möglicherweise um Todeslisten von britischen konservativen Politikern und Angaben über Militäranlagen in Großbritannien. Der jüngste Eintrag sei erst im vergangenen Monat gemacht worden. Nach Erkenntnissen der BBC stieß die Polizei auf diese Papiere, während sie nach den Einbrechern fahndete, die vor einem Monat in das geheimdienstliche Hauptquartier der nordirischen Polizei in Castlereagh (Ost-Belfast) eindrangen und Kodebücher entwendeten.

Selbst die Polizei war anfänglich davon ausgegangen, dass dieser spektakuläre Überfall von einem anderen Arm des Geheimdienstes verübt wurde. Bei den inzwischen sichergestellten Dokumenten handelt es sich indessen nicht um das damalige Diebesgut.

Der amtierende Polizeichef Nordirlands bestätigte am Freitag erstmals offiziell, dass er die Täter von Castlereagh in den Reihen der IRA vermutet. Den Waffenstillstand dieser Untergrundorganisation hielt er indessen nicht für gefährdet. Doch die IRA selbst und ihr politischer Flügel, Sinn Féin, dementieren mit ungewöhnlicher Klarheit und Schärfe. Sinn Féin sprach auch nach dem Fund der angeblichen IRA-Dokumente von "schmutzigen Tricks" der nordirischen Polizei. In der Tat hat die Polizei bislang keine formelle Anklage erhoben.

Protestantische Politiker in Nordirland und der nordirlandpolitische Sprecher der britischen Konservativen, Quintin Davies, zogen sogleich düstere Schlussfolgerungen aus den jüngsten Meldungen und verlangten, dass die Teilnahme Sinn Féins an der nordirischen Regierung neu überprüft werde. Sollte die IRA tatsächlich unverändert Erkenntnisse über neue Angriffsziele sammeln, so ließen sie durchblicken, dann handelte es sich dabei um einen Bruch des Waffenstillstandes. Die IRA hat allerdings immer nur versprochen, ihre "militärischen Operationen einzustellen". Ob das Sammeln von zweckdienlichem Material durch diese Verpflichtung tatsächlich ausgeschlossen wird, bleibt offen.

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