Politik : Nordirland: Bruderkrieg unter Ganoven (Kommentar)

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Bombenleger aller Länder haben Hochkonjunktur: Russische, korsische und baskische Mörder huldigen wieder dem Faustrecht. Dabei standen die Zeichen kürzlich noch vielerorts auf Versöhnung. Die Altmeister dieses blutigen Geschäfts kommen bekanntlich aus Nordirland - auch von dort kommen nun neue Berichte über Mord und Totschlag. Doch damit endet die Parallele. In Belfast herrscht Bruderkrieg unter Ganoven, zwielichtige Gestalten aus den Reihen der protestantischen Untergrundverbände bringen zwielichtige Gestalten um, die ihnen zum Verwechseln gleichen. Es geht um Einfluss, kriminelle Kontrolle und den Stolz unreifer Männer. Mit nordirischer Politik haben die Schießereien, die inzwischen zwei Todesopfer gefordert haben, nichts zu tun. So bleibt der fragile Friedensprozess vorläufig unberührt, solange der konfessionelle Graben von den Mördern nicht überschritten wird. Dass manche jetzt die Forderung erheben, vorzeitig entlassene Häftlinge wieder einzusperren, und andere die Glaubwürdigkeit der Waffenstillstände anzweifeln, gehorcht ausschließlich der politischen Opportunität. Alle wissen: Das Ende eines Bürgerkrieges folgt nicht den Regeln der Ethik. Der Friedensprozess ist ja bloß so weit gekommen, weil die gewalttätigen Ränder der Gesellschaft mit einbezogen wurden. Da ist es kein Wunder, dass diese brutalisierten Ränder zum Faustrecht greifen, um ihre kleinlichen internen Konflikte auszutragen.

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