Politik : Nordirland: Clinton beginnt Vermittlung in Dublin

Knapp sechs Wochen vor dem Ende seiner Amtszeit versucht sich US-Präsident Bill Clinton noch einmal in der Rolle des ehrlichen Maklers im nordirischen Friedensprozess. Am Dienstag traf Clinton in Dublin ein, der ersten Etappe seiner dreitägigen Reise nach Irland, Nordirland und Großbritannien. In Gesprächen mit Vertretern der einzelnen Parteien will er sein Gewicht für eine Verwirklichung des stagnierenden Friedensprozesses in Nordirland einsetzen. Die US-Regierung warnte allerdings vor zu hoch gesteckten Erwartungen an die amerikanischen Vermittlungsbemühungen.

Als Geste des guten Willens zum Friedensprozess stellten die Vereinigten Staaten kurz vor der Reise des Präsidenten das Auslieferungsverfahren gegen neun wegen Verbindungen zur IRA verurteilte Iren ein. Die Einstellung des Verfahrens stimme mit den Schritten überein, die die britische Regierung im Zuge des Karfreitags-Abkommens für Nordirland getroffen habe, hieß es dazu in Washington. Die neun Verurteilten hatten in Großbritannien unter anderem wegen Mordes und Waffenbesitzes Gefängnisstrafen abgesessen.

Vor seiner Abreise aus Washington hatte Clinton am Montag (Ortseit) erklärt, bei den anstehenden Schwierigkeiten zeigten sich noch einmal die verblassenden Dämonen der Vergangenheit, die es zu überwinden gelte. Clinton hatte auch beim Karfreitagsabkommen von 1998 vermittelt, das erstmals zu einer gemeinsamen Regierung von protestantischen Unionisten und katholischen irischen Republikanern führte. Mit seiner dritten Reise in die Krisenregion folgt Clinton den Einladungen des britischen Premierministers Tony Blair, des irischen Ministerpräsidenten Bertie Ahern und des Ersten Ministers der nordirischen Versammlung, David Trimble. Er traf gleich nach seiner Ankunft am Dienstag in Dublin mit Ahern zusammen.

Trimble reiste unterdessen zu Gesprächen mit Blair nach London, womit von Beobachtern neue Hoffnungen für einen möglichen Durchbruch im Nordirland-Konflikt verbunden wurden. Doch erklärte Gerry Adams, der Chef der mit der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) verbündeten Partei Sinn Fein, solche Überlegungen zu Wunschdenken.

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