Politik : Nordirland: Der Zwang zur Wiederholung

Martin Alioth

Die Logenbrüder des protestantischen Oranier-Ordens von Portadown marschierten gestern Nachmittag grimmig an die stählerne Barrikade der britischen Armee, die ihnen die Parade-Route durch das katholische Wohnviertel der Stadt versperrte. Etwa 3000 Soldaten und Polizisten sollten gewalttätige Zusammenstöße zwischen militanten Protestanten und Katholiken verhindern. Nordirland erwartet seit Jahren jedes Mal ängstlich die Parade von Portadown, die oft zu Krawallen, Straßenblockaden und Mordanschlägen führte. Der Marsch ist am Sonntag zunächst ohne Zwischenfälle verlaufen.

Am Sonnabend bereits verteilten britische Soldaten und nordirische Polizisten Rollen von rasiermesserscharfem Stacheldraht über die Landschaft und hoben Wassergräben aus. Nordirlands Polizeikommandant, Sir Ronnie Flanagan, übte sich am Vorabend des Umzuges in Optimismus, aber niemand vermochte vorauszusagen, ob paramilitärische Unruhestifter nicht im Windschatten des Oranier-Ordens Krawalle provozieren würden. Mehr Menschen als je zuvor verließen deshalb in den letzten Tagen die Stadt, um jeder Unbill aus dem Weg zu gehen.

Die Signale aus Portadown werden das Klima der entscheidenden politischen Verhandlungen über die Zukunft des Friedensprozesses bestimmen, die heute und morgen im englischen Shropshire stattfinden. Unter dem Vorsitz des britischen und des irischen Premierministers wollen Nordirlands Politiker noch einmal versuchen, sich über die Waffen der Paramilitärs, den britischen Truppenabbau und eine Polizeireform zu einigen.

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