Politik : Nordirland: Gepanzerte Fahrzeuge sichern Schulweg in Belfast

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Zum zweiten Mal in Folge gerieten am Dienstagmorgen vier- bis elfjährige Schulmädchen in Belfast zwischen die Fronten eines bitteren kommunalen Zwists. Wie schon zum Schulbeginn am Montag rotteten sich protestantische Anwohnergruppen an der Ardoyne Road zusammen, um den Kindern und ihren besorgten Eltern den kurzen Weg zur katholischen HeiligKreuz-Schule zu versperren. 70 gepanzerte Fahrzeuge der britischen Armee und der nordirischen Polizei bildeten eine stählerne Gasse. Manche Eltern beherzigten den Rat des Schulvorstandes und benutzten den Hintereingang der Schule, der durch "katholisches Territorium" erreichbar ist.

Ein Sprecher der Partei Sinn Fein, die als politischer Arm der katholischen Untergrundbewegung IRA gilt, sagte, mehrere Kinder seien durch die Erlebnisse vom Vortag derart geschockt, dass sie am Dienstag gar nicht erst zur Schule gegangen seien.

Jene, die sich auf die direkte Route wagten, wurden erneut zur Zielscheibe wüster Beschimpfungen und gelegentlicher Wurfgeschosse. Die protestantischen Aktivisten, denen enge Verbindungen zu mörderischen Splittergruppen nachgesagt werden, hatten schon im letzten Juni den Schulweg durch die Ardoyne Road blockiert. Sie behaupten, ihre Wohnhäuser, die wie eine Insel in ka-tholischem Siedlungsgebiet liegen, würden regelmäßig attackiert. Sie unterstellen der IRA, dass sie alle Protestanten aus dem Viertel vertreiben will.

Die Unversöhnlichkeit der beiden Konfessionsgruppen, die nirgendwo sonst derart eng verschachtelt nebeneinander wohnen wie in Nord-Belfast, entlud sich in den letzten beiden Nächten in hässlichen Krawallen. 35 Polizeibeamte erlitten Verletzungen, als sich Protestanten und Katholiken mit Ben-zinbomben, Ziegelsteinen und Flaschen bewarfen. Katholiken und Protestanten wiesen sich gegenseitig die Schuld für die Ausschreitungen zu. Schon am Sonntagabend hatten sich rund 150 protestantische und katholische Jugendliche rund um die Ardoyne Road Straßenschlachten geliefert. Ein Sprecher der protestantischen Democratic Unionist Party (DUP) rief beide Seiten zu einer "Atempause" auf. Im derzeitigen Klima sei der dringend nötige Dialog nicht möglich.

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