Politik : Nordirland: IRA hat ihre Waffen zerstört

Martin Alioth

Dublin - Die nordirische Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) hat ihre umfangreichen Waffen- und Munitionsarsenale unbrauchbar gemacht. Das bestätigte am Montag der kanadische General John de Chastelain, der die Entwaffnung der IRA seit Jahren überwacht. Die katholische Organisation, die die irische Vereinigung jahrzehntelang mit Gewalt erzwingen wollte, hatte im Juli angekündigt, sie wolle ihre Ziele künftig nur noch mit friedlichen Mitteln verfolgen. Seit den Sechzigerjahren kämpfte die IRA gegen die Zugehörigkeit Nordirlands zu Großbritannien.

Elf Jahre nach ihrem ersten Waffenstillstand hat die IRA mit der Abrüstung einen immer wieder angekündigten Schritt in die Tat umgesetzt. Nach irischen Polizeiangaben verfügte die IRA in unterirdischen Bunkern über mindestens 600 halbautomatische Gewehre, 20 Maschinengewehre, zwei Tonnen Semtex-Plastiksprengstoff sowie unbekannte Mengen von Munition. Der mit der Abrüstungs-Überwachung beauftragte General de Chastelain stellte fest, dass die unschädlich gemachten Waffen diesen Schätzungen entsprächen. Der Kanadier machte allerdings keine genaueren Angaben. Unbestätigten Meldungen zufolge verfügt die IRA weiter über einige Handfeuerwaffen – angeblich zur Selbstverteidigung.

Im pro-britischen Lager reagierten die Kontrahenten der IRA von den Demokratischen Unionisten (DUP) skeptisch auf den historischen Gewaltverzicht. Die von Pfarrer Ian Paisley dominierte Partei merkte an, dass der Vorgang nicht fotografiert wurde. Paisley behauptete, eine Mehrheit der Menschen in Nordirland glaube nicht an die Abrüstung der IRA. Die DUP ließ offen, ob die Gespräche zur Wiedereinsetzung einer gemeinsamen Provinzregierung in Nordirland nun wieder aufgenommen werden. Viel positiver reagierten die Regierungen in Dublin und London auf die Entwaffnung, die von den nordirischen Protestanten bisher stets als Hindernis für die Rückkehr zur nordirischen Selbstverwaltung genannt worden war.

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