Nordirland : Polizist erschossen

Mit einem Polizistenmord setzten Dissidenten der ehemaligen IRA am Montagabend die Anschlagsserie fort, der am Samstagabend zwei britische Soldaten zum Opfer gefallen waren.

Matthias Thibaut

London - Der zweite Terroranschlag in Nordirland in wenigen Tagen hat die nordirische Einheitsregierung zusammenrücken lassen. „Diese Männer haben keine andere Agenda, als Spaltung zu erzeugen. Dies wird ihnen nicht gelingen“, sagte der stellvertretende Regierungschef und ehemalige IRA-Kommandant Martin McGuinness. Zum ersten Mal forderte McGuiness unmissverständlich auch ehemalige IRA-Anhänger auf, der Polizei bei der Verhaftung der Täter zu helfen. Er stand Schulter an Schulter mit Regierungschef Peter Robinson von der Protestantenpartei DUP.

Mit einem Polizistenmord setzten Dissidenten der ehemaligen IRA am Montagabend die Anschlagsserie fort, der am Samstagabend zwei britische Soldaten zum Opfer gefallen waren. Zwei Polizisten waren wegen eines Notrufs unterwegs. Ein 48-jähriger Polizist wurde aus dem Hinterhalt durch einen Kopfschuss getötet. Er ist das erste Terroropfer des neu gegründeten „Polizeidiensts Nordirland“ (PSNI), der die von Protestanten dominierte Royal Constabulary ablöste. Zwei Verdächtige konnten noch am Dienstag festgenommen werden, wie die Ermittler mitteilten. Außerdem wurde eine Wohnung durchsucht.

Zum neuen Anschlag bekannte sich die Gruppe „Continuity IRA“ und erklärte: „So lange es britische Einmischung in Irland gibt, werden diese Angriffe fortgesetzt.“ Eine rivalisierende Gruppe, die „Real IRA“ hatte sich zu dem Anschlag auf die Soldaten bekannt. Beide Gruppen hatten sich 1997 von der IRA abgespalten, die unter der Führung ihres politischen Flügels, Sinn Fein, auf einen politischen Kompromiss zusteuerte.

In konfessionell streng gebundenen Siedlungen tauchten bereits neue Wandgemälde mit Parolen wie „Back 2 War“ auf – zurück in den Krieg. Die unmittelbar größte Gefahr ist, dass sich protestantische Extremisten zu Gegenreaktionen provozieren lassen und eine neue Spirale der Gewalt losgetreten wird. „Diese Leute sind Verräter. Sie verdienen nicht, von irgendjemand unterstützt zu werden“, sagte Martin McGuinness. Neben Revancheakten aus der Bevölkerung ist Streit um die Rolle britischer Sicherheitskräfte nun die größte Gefahr für den Friedensprozess. Matthias Thibaut

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